Loveparade-Katastrophe – das Ende der Ermittlungen naht

Tödliches Gedränge. Menschen versuchten sich auf der Duisburger Loveparade am 24. Juli 2010 nach oben zu retten.
Tödliches Gedränge. Menschen versuchten sich auf der Duisburger Loveparade am 24. Juli 2010 nach oben zu retten.
Foto: WAZ FotoPool
3500 Zeugen, 1000 Stunden Videomaterial: Fast drei Jahre nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg steuert alles auf eine Anklage zu. Einer, der überzeugt ist, dass es zur Anklage kommen wird, ist der Düsseldorfer Rechtsanwalt Julius Reiter, Sozius des früheren Bundesinnenministers Gerhard Baum.

Düsseldorf.. Wenn der Düsseldorfer Rechtsanwalt Julius Reiter über die Loveparade und ihre Verantwortlichen spricht, dann bemüht er gerne die drei Affen aus dem japanischen Sprichwort: nicht sehen, nicht hören, nicht sprechen! Da sei die Stadt Duisburg gewesen, die nicht sehen wollte, dass das Sicherheitskonzept nicht funktionieren kann. Der Veranstalter Lopavent, der nicht hören mochte, als ihm die Stadt Auflagen machte und nicht zuletzt die Polizei, die nicht die Stimme erhob, um die Katastrophe zu vermeiden.

Was sich damals abspielte in den Wochen und Monaten vor der Loveparade und am Unglückstag selbst, dem 24. Juli 2010, davon wird die Duisburger Staatsanwaltschaft inzwischen ein sehr konkretes Bild haben. Sie wird wissen, wie es zum Tod von 21 Menschen kam, wie 500 junge Leute zum Teil schwerst verletzt wurden. Das Team, das aus vier, seit einigen Wochen aus fünf Staatsanwälten besteht, hat 3500 Zeugen verhört, 1000 Stunden Videos angesehen, 404 Terrabyte Daten verarbeitet.

Anfangsverdacht auf fahrlässige Tötung

All die Monate drangen immer wieder Fakten an die Öffentlichkeit. Über die fehlende Lautsprecheranlage, über zu wenige Ordner und Pusher, über die zum unglücklichen Zeitpunkt schichtwechselnden Polizisten. Man hörte von den Mitarbeitern des Bauamtes, die es vermieden haben sollen, am Tag der Loveparade selbst vor Ort zu sein, weil ihnen die Verstöße gegen die Bauordnung dann ja hätten auffallen müssen. Man erfuhr von ihren Kollegen aus dem Ordnungsamt, die dort waren, aber nicht moniert haben sollen, dass der Veranstalter für die Sicherheit wichtige Auflagen nicht einhielt.

Eine Liste, die sich weiterführen ließe. 16 Beschuldigte, beginnend bei den beiden Dezernenten für Bauordnung und Sicherheit, Jürgen Dressler und Wolfgang Rabe, ihren Amtsleitern und Sachbearbeitern, über die Lopavent-Angestellten bis hin zu einem Leitenden Polizeidirektor. Gegen sie besteht seit knapp drei Jahren ein Anfangsverdacht auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung. Ob es für eine Anklage reicht, entscheiden zuerst die Staatsanwälte, dann das zuständige Gericht.