Loveparade in Duisburg ist in Gefahr

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Duisburg. Kurz nach der Absage der Loveparade in Bochum steht nun auch der Massenrave 2010 in Duisburg auf wackeligen Beinen. Die Polizei Duisburg meldet erste Bedenken an: Es sei „nicht einfach“, eine geeignete Veranstaltungsfläche für 2010 zu finden. Essen würde einspringen.

Etwa drei Wochen nach der Absage der Loveparade in Bochum meldet auch die Duisburger Polizei Bedenken an, ob der Massenrave im kommenden Jahr möglich ist. „In Duisburg eine Veranstaltungsfläche für 500.000 oder gar mehr Menschen zu finden, inklusive eines geordneten An- und Abreiseverkehrs, ist nicht einfach“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung. Über diesen Stand hinaus sei der Polizei aber keine aktuelle Entwicklung bekannt, heißt es in der Mitteilung weiter. Im Herbst 2008 habe zuletzt ein Vertreter der Polizei an einer Sitzung des Arbeitskreises „Loveparade“ teilgenommen. Zum Anlass dieser Pressemeldung war die Polizei-Pressestelle in Duisburg bislang nicht zu erreichen.

"Überall Problemlagen"

Die Polizei beziehe sich auf ein Papier, das eine Arbeitsgruppe zur Vorbereitung auf die Loveparade erarbeitet habe, erklärt der Pressesprecher der Stadt Duisburg, Frank Kopatschek. Die AG habe mögliche Strecken für die Loveparade geprüft, um vorbereitet in die anstehenden Planungen mit dem Veranstalter zu gehen. Das Ergebnis: „Wir stellen fast überall Problemlagen fest“, sagt Kopatschek. So würde etwa die gesamte Innenstadt für die Riesenparty nicht in Frage kommen. Ebenso wenig die A 59 – zu viele steile Böschungen am Straßenrand würden etwa Rettungseinsätze behindern. Dennoch betonte der Stadtsprecher: „Wir sagen nicht Nein zu Loveparade, sondern prüfen lediglich die Möglichkeiten.“

Erstaunt über den Vorstoß der Duisburger Polizei zeigte sich Björn Köllen, Sprecher des Loveparade-Veranstalters Lopavent. „Wir haben noch gar nicht angefangen, die Loveparade in Duisburg zu planen. Schon vorher so eine Pressemitteilung zu veröffentlichen, finde ich etwas früh“, sagt Köllen. Ob so kurz nach der Absage der Parade in Bochum nun auch die Großveranstaltung im nächsten Jahr wackelt, könne er nicht sagen. „Wir müssen nun erstmal in die Planung einsteigen. Klar ist, dass die Loveparade nach dem Besucherrekord in Dortmund eine Herausforderung ist.“

Essen würde einspringen

Im Falle einer Duisburger Absage stünde möglicherweise schon ein Ersatz bereit: Die Stadt Essen denkt über eine erneute Austragung der Loveparade 2010 nach. "Wir sagen erst mal nicht Nein", sagt Stadtdirektor Christian Hülsmann am Freitag auf WAZ-Anfrage. Eine Wiederholung der Parade von 2007 wird es allerdings auf keinen Fall geben, weil der Berliner Platz für die Abschlusskundgebung nicht mehr zur Verfügung steht. "Aber wir haben jetzt genügend Zeit, um über neue Lösungen nachzudenken. Eine Loveparade in der Kulturhauptstadt 2010 wäre sehr reizvoll", sagt Stadtsprecher Detlef Feige. Im März ist ein Loveparade-Gipfeltreffen bei der Revier-Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr angesetzt. Bei dieser Gelegenheit will die Stadt mit anderen Kommunen auch über eine Gemeinschafts-Parade sprechen.

Zwei andere Ruhrgebietsstädte sind nicht oder nur bedingt bereit, 2010 für Duisburg einzuspringen – weder Gelsenkirchen, noch Dortmund, wo die Parade 2008 stattfand. „Es gibt keinen Anlass für die Stadt Dortmund, die Love Parade in diesem oder im nächsten Jahr durchzuführen. Wir gehen davon aus, dass das ein regionales Projekt ist und diejenigen, die den Vertrag unterschrieben haben, den auch einhalten. Wenn das nicht funktioniert, muss sich der Veranstalter mal darum kümmern”, sagt Ullrich Sierau, Stadtdirektor und SPD-OB-Kandidat.

Kein "Nein" aus Dortmund

„Unter bestimmten Umständen würde ich nicht ausschließen, dass Dortmund 2010 einspringt”, erklärt Joachim Pohlmann, CDU-OB-Kandidat. Neben der Werbewirkung müssten aber auf alle Fälle die Investitionen wieder reinkommen. Die Nebenkosten sind doch sehr hoch, dazu vollgepinkelte Gärten, versaute Straßen. Wenn ich das zu entscheiden hätte, würde ich nochmal darüber nachdenken, einen Dialog mit den Anwohnern führen.”

Gelsenkirchen will ebenfalls nicht Ersatz für Duisburg sein. Dort habe man die Vorbereitungen für 2011 im Visier, wenn das Raver-Ereignis in Gelsenkirchen stattfinden soll. Auch hier herrschen wegen Platzmangels und eines knapp bemessenen Bahnhofs zwar Bedenken, die Planungen gehen aber unvermindert weiter.

Dieter Gorny, Geschäftsführer der Kulturhauptstadt, freut sich, dass es eine positive Reaktion aus Essen gibt: „Dadurch wird deutlich, dass in der Metropole Ruhr doch noch nicht alles verloren ist. Ganz in Gegenteil, sie kann ihren Anspruch aufrecht erhalten”, meint der 55-Jährige.

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