Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller sieht keine eigenen Fehler – und kritisiert die Polizei!

Rainer Schaller vor dem Gericht im Gespräch mit Journalisten.
Rainer Schaller vor dem Gericht im Gespräch mit Journalisten.
Foto: dpa
  • Rainer Schaller sagt als Zeuge im Loveparade-Prozess aus
  • Kritik an Polizei: „Warum wurden Polizeiketten gebildet und dann aufgelöst?“
  • Schaller sieht sich als Mäzen, aber nicht als Organisator

Duisburg/Düsseldorf. Moralische Verantwortung? Ja. Fehlereingeständnis? Nein.

Beim Loveparade-Prozess vor dem Landgericht Duisburg, Außenstelle Düsseldorf, hat Rainer Schaller am Dienstag als Zeuge ausgesagt. Er war Veranstalter der Loveparade.

Loveparade-Prozess: Veranstalter Schaller weist Schuld von sich

Im Unterschied zu Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland sagte Schaller zu Prozessbeginn, dass er die "moralische Verantwortung" übernimmt und entschuldigte sich bei den Hinterbliebenen und Verletzten. Auf die Frage von Richter Mario Plein, ob er und sein Team bei der Loveparade-Tragödie Mist gebaut hätten, kam dann allerdings ein deutliches: „Nein!"

Er habe sein Team nach der Parade immer wieder gefragt, ob Fehler gemacht wurden. „Ich habe keinen Fehler genannt bekommen, der von meinem Team gemacht worden wäre.“

Kritik an Polizeiarbeit

Nach dem Unglück hätten Schaller und sein Team ausgiebig das Videomaterial vom Loveparade-Tag gesichtet. „Alle Fragen, die in der Öffentlichkeit waren, wurden auch bei uns diskutiert. Ich wollte intern schon wissen, ob Fehler, die uns in der Öffentlichkeit vorgeworfen wurden, wahr waren oder nicht! Mein Team sagte mir, dass die vorgeworfenen Fehler nicht richtig waren."

Vielmehr kritisiert er die Polizei: „Für uns stellte sich die Frage nach den Polizeiketten - warum sie gebildet wurden und warum sie aufgelöst wurden?“

------------------------------------

• Mehr zur Loveparade:

Gerichtsmediziner sagt im Loveparade-Prozess aus - so qualvoll mussten die Opfer sterben Loveparade-Prozess: Ex-OB Adolf Sauerland beteuert Unschuld - der Richter macht sofort klar, was er davon hält

Loveparade-Prozess: „Ungeheurer Druck“ - Erschütternde Aussagen von Opfern der Katastrophe Mit dieser Strategie versuchen die Verteidiger den Loveparade-Prozess weiter aufzuhalten

• Top-News des Tages:

„Ich bin sehr aufgeregt“ – So emotional entschuldigt sich Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller bei Opfern und Hinterbliebenen

Loveparade-Prozess: Nebenklägerin von Veranstalter Rainer Schaller schwer enttäuscht – „Da kam nichts mehr“

-------------------------------------

Während seines ersten von drei Tagen im Zeugenstand wurde immer wieder deutlich, dass es dem Geschäftsführer von Lopavent und der Fitnesskette McFit vor allem um gute Bilder bei der Loveparade ging. Immer wieder betonte er den Werbeeffekt der Loveparade für sein Unternehmen McFit, dass als Hauptsponsor der Veranstaltung tätig war.

Auch über seinen Kontakt mit der Stadt Duisburg befragte Richter Mario Plein den 49-Jährigen. „Ich hatte wenig Kontakt mit dem damaligen OB Sauerland. Ich kann mich an ein Treffen mit Adolf Sauerland erinnern, es war nicht so zielführend. Er witzelte über Gelsenkirchen", berichtet Schaller.

„Mäzen und Gesicht der Loveparade“

Auf die Frage zu seiner Involvierung bei der Loveparade sagte Schaller: „Ich war nur Mäzen und Gesicht der Loveparade. Bei einigen Themen war ich tief drin - welche Künstler, welche VIPs, das waren meine Aufgaben."

Die Zusammenarbeit mit den Ämtern und Genehmigungen waren laut Schaller Aufgabe von Produktionsleiter Stephan S. und Kreativdirektor Kersten S. - beide sind beim Loveparade-Prozess angeklagt.

Die beiden Angeklagten bezeichnete Schaller als "hochstrukturiert" und "immer top abgesichert". Zu seinem Produktionsleiter berichtete Schaller, dass "er immer sagte, dass wir nicht an der Sicherheit sparen."

Manipuliertes Organigramm?

Mit Kersten S. soll es nach dem Loveparade-Unglück zu einem Bruch gekommen sein. „Ich habe erfahren, dass er ein Organigram manipuliert haben soll."

Richter Mario Plein zeigte entsprechende Organigramme, auf denen Schaller an der Spitze der Planung steht. Zwei Lovapent-Mitarbeiter hatten Schaller in einer polizeilichen Vernehmung als Macher bezeichnet, der die letzte Entscheidungsinstanz gewesen sein.

Der medienerfahrene Geschäftsmann betonte immer wieder, dass er eben nicht in alle Entscheidungen involviert gewesen sei.

Schaller selbst war nie beschuldigt in dem Verfahren. Mittlerweile sind die Vorfälle bereits verjährt. Sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent sind wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt.

Loveparade-Prozess

Veranstalter Rainer Schaller sagt am Mittwoch im Loveparade-Prozess als Zeuge aus.
Loveparade-Prozess
 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen