Loveparade-Stiftung für traumatisierte Opfer bittet um Spenden

Jürgen Widera, Ombudsmann und Vorsitzender von "Duisburg 24.7.2010", mit Vorstandsmitglied Birgit Nellen bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Stiftung.
Jürgen Widera, Ombudsmann und Vorsitzender von "Duisburg 24.7.2010", mit Vorstandsmitglied Birgit Nellen bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Stiftung.
Foto: dpa
Fast sechs Jahre nach dem Loveparade-Unglück mit 21 Toten will eine neue Stiftung Betroffene unterstützen. Hilfe soll langfristig gesichert werden.

Duisburg.. Die Stiftung „Duisburg 24-7-2010“ geht acht Monate nach ihrer Gründung an die Öffentlichkeit und bittet die Wirtschaft und die Bürgerschaft um finanzielle Unterstützung in Form von Spenden. Vorstand und Kuratorium der Stiftung erhoffen sich, dass auf diesem Wege eine fünfstellige Summe pro Jahr zusammenkommt. Die Stiftung bietet allen Betroffenen der Loveparade-Katastrophe ein umfassendes Hilfspaket.

Zu den Kernaufgaben der Stiftung zählt die Einrichtung einer Kontakt- und Informationsstelle. Deren Leiterin Angelika Köhler betonte am Dienstag, dass sich auch über fünfeinhalb Jahre nach der Katastrophe noch Hilfesuchende an sie wenden: „Wir konnten allein 150 Personen in eine Therapie oder Reha-Maßnahme vermitteln“, so Köhler.

"Tiefe Wunde in unsere Stadtgesellschaft gerissen"

„Die Katastrophe hat eine tiefe Wunde in unsere Stadtgesellschaft gerissen, die nicht verheilen will. Unsere Stiftung will aber dabei helfen, dass die Wunde zumindest vernarben kann“, sagte Pfarrer Dr. Jürgen Thiesbonenkamp aus dem Stiftungs-Kuratorium. Die seit Juli 2015 existierende Stiftung kümmert sich um die Unterstützung hilfsbedürftiger Personen, die durch die Katastrophe in Not geraten sind.

Wie wichtig dieses Angebot ist, bestätigten auch Manfred Reißaus für die Hinterbliebenen und Jörn Teich für die Traumatisierten. Reißaus, dessen Tochter Svenja bei der Katastrophe ums Leben gekommen war, sagte: „Wir wollen Ansprechpartner für alle Eltern sein, die ein Kind verloren haben.“ Dass die strafrechtliche Aufarbeitung der Katastrophe vor Gericht nach wie vor auf sich warten lässt, empfindet Reißaus als Unding: „Je länger wir warten müssen, um so schlimmer wird es.“ Und Teich ergänzte: „Wir können mit der Sache niemals abschließen ohne einen Prozess.“ Das Landgericht Duisburg will in diesem Frühjahr nach Abschluss des Zwischenverfahrens bekannt geben, ob ein Hauptverfahren eröffnet wird und falls ja, wann das geschehen soll.

Erstmals keine Gedenkfeier am 24. Juli

Während der Pressekonferenz am Dienstag kündigte die Stiftung außerdem an, dass es am sechsten Jahrestag der Loveparade-Katastrophe am 24. Juli erstmals keine offizielle Gedenkfeier geben wird. Stattdessen wird die „Nacht der 1000 Lichter“, die bisher am Vorabend an der Gedenkstätte im Karl-Lehr-Tunnel statt­gefunden hat, auf den 24. Juli verlegt.

Die Stadt Duisburg stellt „Duisburg 24-7-2010“ auf Beantragung bis zu 50.000 Euro jährlich zur Verfügung. Dieses Geld wird auch für die Pflege der Gedenkstätte im Tunnel genutzt, die bald eine neue Illumination erhalten soll. Wer helfen will, findet Infos im Internet unter: www.stiftung-duisburg-24-7-2010.de.

 
 

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