Duisburg

Loveparade-Prozess: Ex-OB Adolf Sauerland beteuert Unschuld - der Richter macht sofort klar, was er davon hält

Der ehemalige Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland im Gerichtssaal des Loveparade-Prozesses im Landgericht Duisburg.
Der ehemalige Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland im Gerichtssaal des Loveparade-Prozesses im Landgericht Duisburg.
Foto: dpa

Duisburg. Sein Auftritt wurde mit Spannung erwartet: Duisburgs Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland (62) hat am heutigen Mittwoch als Zeuge beim Loveparade-Prozess ausgesagt - und dabei wenig Überraschendes preisgegeben. Professionell, ohne große Emotionen und mit ruhiger, sachlicher Stimme sagte Sauerland aus.

Adolf Sauerland: „Ich war nicht aktiv tätig"

Auf die Frage von Richter Mario Plein nach seiner Beteiligung antwortete Sauerland: „Aktiv im Genehmigungsprozess war ich nicht! Ich war für außen Ansprechpartner, aber aktiv nicht tätig“, sagt Sauerland aus. „Das Ganze lief über die Fachlichkeit und da gehörte es auch hin“, so Sauerland. Für die Koordination sei Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe sein Ansprechpartner gewesen. Er habe ihm ausschließlich berichtet. Erst später sei dann auch der Planungsdezernent Jürgen Dressler dazu gekommen.

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Richter Plein mit Zweifeln

Chronologisch arbeitete Richter Plein den Genehmigungsprozess ab. Auch der Verkehrsexperte Prof. Schreckenberg von der Uni Essen-Duisburg wurde eingeschaltet, um über die Daten drüber zu schauen. „Er hat das überprüfen lassen, aber davon habe ich erst nach der Parade erfahren. Aber ich sage nochmal, ich hatte mit den Genehmigungsschritten nichts zu tun.“

Richter Plein fand das etwas seltsam: „Klein-Erna würde sagen, das ist alles komisch! Wir reden ja nicht über einen Flohmarkt in Duisburg-Marxloh, sondern über eine der größten Veranstaltungen der Stadt. Es ist schwer nachvollziehbar, dass Herr Rabe es nicht für nötig hält, sie zu informieren.“

Sauerland vor der Loveparade im Urlaub

In der Woche vor der Loveparade war Sauerland im Urlaub. Am Tag vor der Parade erhielt er auf dem Heimweg aus dem Österreich-Urlaub eine SMS seines Referenten: „Darin wurde mir mitgeteilt, dass alle Genehmigungen erteilt worden sind und alles okay ist.“

Der ehemalige OB betonte nochmal, dass er die Loveparade nicht wollte: „Ich wollte die World Games, das hat man uns untersagt.“ Die Loveparade, betonte er, sei der Stadt vom Kommunalverband Ruhr angedient worden sein.

Amtsleiter Böllings vergeblicher Versuch

Amtsleiter Peter Bölling galt als großer Kritiker der Loveparade. Er versuchte den Ex-OB noch von einer Absage der Veranstaltung zu bewegen - und dabei dessen Gesicht zu wahren. Wegen der Kosten und der klammen Duisburger Kassen sah Bölling eine Chance aus der Genehmigung für die Loveparade heraus zukommen.

Doch Sauerland betonte, ihm sei klar gewesen, dass in einem solchen Fall das Land NRW für die Kosten sofort einspringen würde, da man sich im Wahlkampf befand. „Das ist auch passiert“, erklärte Sauerland.

Verteidiger sieht Schuld nicht bei der Stadt

Der Saal im Düsseldorfer Kongress-Zentrum war gerade einmal halb gefüllt. Zu Beginn hatte Verteidiger Kaps einen neuen Antrag der SPD-Fraktion im NRW-Landtag zu einem Veranstaltungsgesetz verlesen. Darin fordert die Fraktion einheitliche, transparente Richtlinien für sichere Großveranstaltungen. Daher plädierte der Verteidiger, dass die Mitarbeiter der Stadt nicht die Verantwortung der Loveparade-Katastrophe tragen.

Bei der Loveparade-Katastrophe in Duisburg waren am 24. Juli 21 Menschen gestorben und über 500 zum Teil schwer verletzt. Duisburgs OB Sauerland lehnte die politische Verantwortung für die Tragödie im Nachgang ab. 2012 wurde er als Duisburger OB abgewählt.

 
 

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