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Sauerland bei Loveparade-Prozess: Richter spottet über Ex-OB — dem ist am heutigen Tag nur einmal zum Lachen zumute

Adolf Sauerland, ehemaliger Oberbürgermeister von Duisburg, sitzt im Gerichtssaal des Loveparade-Prozesses in der Außenstelle des Landgerichts Duisburg. Sauerland ist als Zeuge geladen
Foto: Federico Gambarini/ dpa
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Duisburg/Düsseldorf. Duisburgs Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland (62) hat am heutigen Mittwoch als Zeuge beim Loveparade-Prozess ausgesagt: „Ich gehe nach wie vor davon aus, dass alles was bei der Stadt gelaufen ist, Recht und Ordnung war!“

Er musste am Nachmittag zum Genehmigungsprozess der Loveparade Stellung beziehen. Er beschrieb dabei unter anderem Kommunikationsprobleme zwischen seinen beiden Dezernenten Wolfgang Rabe und Jürgen Dressler im Vorfeld der Loveparade.

Im Video: Entspannter und lockerer Ex-OB Sauerland

Ein Video einer Pressekonferenz einen Monat vor der Loveparade zeigt einen scherzenden Sauerland gemeinsam mit Moderator Oli Pocher. „Wenn Klein-Erna das sieht, denkt sie, die Loveparade steht“, so Richter Plein. Dabei waren noch einige Genehmigungen zu erteilen, was Sauerland vorgab, nicht im Detail gewusst zu haben. „Es waren noch nicht alle Genehmigungen ausgestellt, weil noch nicht alle ausstellbar waren“, sagte er gegenüber dem Richter.

Bei einem Gespräch zwischen Vertretern des Unternehmens „Lopavent“ und der Stadt Duisburg vier Wochen vor der Parade wurde klar, dass das Fluchtwegekonzept des Veranstalters nicht den Vorlagen entsprach. „Herr Rabe stellt in diesem Zusammenhang fest, dass sich der OB die Veranstaltung wünsche und daher eine Lösung gefunden wurde“, zitierte Richter Plein ein Protokoll der Sitzung. „Ich habe mich über diese Formulierung geärgert. Dann war gut! Aber: Bei einer Nicht-Genehmigung hätte die Loveparade nicht stattgefunden“, wiederholte Sauerland.

Der 62-Jährige betonte immer wieder: „Aktiv beteiligt am Genehmigungsprozess war ich nicht! Ich war für außen Ansprechpartner, aber aktiv nicht tätig“, erklärte Sauerland „Meine Aufgabe war keine Aufgabe“, fasste es der Ex-OB zusammen.

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Richter: „Klein-Erna würde sagen, das ist alles komisch!“

Chronologisch arbeitete Richter Plein den Genehmigungsprozess ab. Auch der Verkehrsexperte Prof. Schreckenberg von der Uni Essen-Duisburg wurde eingeschaltet, um einen Blick auf die Verkehrsdaten zu werfen. Ex-OB Sauerland hierzu: „Der Dezernent Rabe hat das überprüfen lassen, aber davon habe ich erst nach der Parade erfahren. Aber ich sage nochmal, ich hatte mit den Genehmigungsschritten nichts zu tun.“

Richter Plein fand das etwas seltsam: „Klein-Erna würde sagen, dass ist alles komisch! Wir reden ja nicht über einen Flohmarkt in Duisburg-Marxloh, sondern über eines der größten Veranstaltungen der Stadt. Es ist schwer nachvollziehbar, dass Herr Rabe es nicht für nötig hält sie zu informieren.“ Immer wieder unterstellt der Richter mangelnde Kommunikation zwischen dem damaligen OB und seinen Dezernenten.

Wenig Interesse am Loveparade-Prozess

Der Saal im Düsseldorfer Kongress-Zentrum war gerade einmal halb gefüllt. Die Reihen hinter Sauerland weitgehend leer, rund 30 Interessierte waren zur Vernehmung von Sauerland gekommen. Sauerland gab sich professionell, sagte sachlich und mit ruhiger Stimme aus.

Erst als Richter Plein kurz vor der Mittagspause der Name von Dezernent Rabe nicht mehr einfiel, huschte auch Sauerland ein kurzes Lächeln über die Lippen.

Sauerland verspürte keinen politischen Druck

Politischen Druck will Sauerland nicht verspürt haben - trotz der Tatsache, dass das Ruhrgebiet 2010 Kulturhauptstadt gewesen ist und die Loveparade im Rahmen dessen veranstaltet wurde. „Wenn es machbar ist, dann machen“, sei die Marschroute gewesen. „Es gab den politischen Willen, das umzusetzen. Zugleich hatte er keine Angst vor einer möglichen Absage der Loveparade: „Keine Frage, eine Absage wäre ein hohes Echo gewesen - aber aushaltbar!“

Bei der Loveparade-Katastrophe in Duisburg waren am 24. Juli 21 Menschen gestorben und über 500 zum Teil schwer verletzt. Duisburgs OB Sauerland lehnte die politische Verantwortung für die Tragödie im Nachgang ab. 2012 wurde er abgewählt.

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Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

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