Loveparade-Opfer trafen sich ohne Stadtdirektor Greulich mit Kurt Krieger

Thomas Richter
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Duisburg. Als sich bei der Loveparade Verletzte und Angehörige der Todesopfer zum dritten Mal mit Möbelhaus-Investor Kurt Krieger trafen, waren erstmals keine Vertreter der Stadt dabei. Trotz aller Enttäuschung: Die Opfer-Vertreter loben Kurt Kriegers Gesprächsbereitschaft.

Mit einer Mischung aus Enttäuschung und Hoffnung endete für die Angehörigen der 21 Todesopfer der Loveparade-Katastrophe das Treffen mit Möbel-Investor Kurt Krieger am vergangenen Samstag im Bürgerhaus Steinhof in Huckingen. Enttäuschung deshalb, weil der Gegenentwurf zur Gestaltung einer Gedenkstätte am Fuße der Rampe, den Klaus-Peter Mogendorf (der Vater des verstorbenen Eike) erarbeitet hatte, von Krieger nahezu kommentarlos zurückgewiesen wurde. Hoffnung deshalb, weil die Hinterbliebenen nach wie vor fest an eine Lösung im Konsens glauben.

Wieviel sind 70 Quadratmeter? Was als bunte Fläche auf einem Plan großzügig erscheinen mag, nimmt in der Realität plötzlich andere Dimensionen an. Weniger als 70 Quadratmeter sehen die neuesten Entwürfe von Krieger für die Gedenkstätte auf dem Gelände der „Duisburger Freiheit“ vor, auf dem er ein Möbelzentrum errichten will. Um dem Investor aufzuzeigen, wie wenig Platz das ist, hatten die Hinterbliebenen bei ihrem Treffen zu einem Ortstermin an der Rampe gebeten. Da kein Flatterband vorhanden war, bildeten die rund 30 Hinterbliebenen und Vertreter der Verletzten eine Menschenkette, um die Ausmaße des geplanten Areals anschaulich abzustecken. Sie selbst hatten sich in einem Gegenentwurf ein 250 Quadratmeter großes Areal gewünscht. „Ich glaube, dass dies für Herrn Krieger sehr aufschlussreich war und er nun noch einmal in sich gehen wird“, sagte Jürgen Hagemann, der Gründer des in Duisburg beheimateten Vereins Massenpanik Selbsthilfe.

„Als Gruppe geschlossen aufgetreten“

Was Hagemann und Mogendorf trotz allem positiv stimmt, ist der nach wie vor von Krieger demonstrierte Wille zum Konsens. Beim Treffen am Samstag saßen erstmals keine Vertreter von Stadt oder Verwaltung mit am Tisch. „Wir sind sehr argumentativ vorgegangen und als Gruppe sehr geschlossen aufgetreten. Aus meiner Sicht hatte dieses Treffen erstmals einen echten Verhandlungs-Charakter“, so Hagemann. Ein Termin für die nächste Zusammenkunft sei noch nicht vereinbart. Er soll aber zeitnah folgen.

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Auch Klaus-Peter Mogendorf stellte klar, dass keiner der Angehörigen ein Interesse daran hätte, trotz der bislang auseinander liegenden Vorstellungen zur Gedenkstätten-Gestaltung „die Sache nun eskalieren zu lassen“. Im Gegenteil: „Dass Herr Krieger weiter gesprächsbereit ist, muss man ihm hoch anrechnen.“

Beim Treffen mit Vertretern einiger Duisburger Ratsfraktionen am Freitag erschienen eine Handvoll Politiker – und zwar von der FDP und den Linken. Ein SPD-Vertreter, der sein Kommen zugesagt hatte, musste kurzfristig absagen. „Wir haben den Politikern unsere Bedenken bezüglich der Größe aufgezeigt. Sie konnten unsere Argumentation nachvollziehen“, sagt Hagemann. Weitere Gespräche dieser Art sollen folgen.

Krieger und Greulich wollen sich nicht äußern

Doch genauso wichtig sei, einen Diskussionsprozess in der Bevölkerung zu diesem Thema in Gang zu bringen. „Schließlich soll diese Gedenkstätte nicht nur für uns Angehörige sein“, erklärte Mogendorf, „sondern vor allem auch für die Menschen, die in dieser Stadt leben“.

Die WAZ stellte am Montag auch Interview-Anfragen bei Kurt Krieger und Stadtdirektor Peter Greulich. Beide wollten sich zu dem Thema nicht öffentlich äußern.