Loveparade-Ermittlungen noch nicht beendet

Stefan Endell
Menschen in Lebensgefahr: Loveparde 2010 in Duisburg.
Menschen in Lebensgefahr: Loveparde 2010 in Duisburg.
Foto: Peter Malzbender

Duisburg. Drei Monate nach der Loveparade-Katastrophe, die 21 Tote und mehr als 500 Verletzte gefordert hatte, sind Polizei und Staatsanwaltschaft noch weit entfernt, über einen Abschluss der Ermittlungen nachdenken zu können.

Die Zahl der Aktenordner, die bei der Staatsanwaltschaft in Neudorf an der Koloniestraße wie auch bei den Ermittlern der zuständigen Kölner Kriminalpolizei aufgetürmt sind, würden – nebeneinander gestellt – drei große Büroräume ausfüllen. Und würde man noch all jene Akten und Schriftstücke und jene Unmengen an Fotos, E-Mails, SMS hinzufügen, die auf 50 Terrabyte großen Festplatten gesichert sind, nicht zu reden von den 1000 Stunden Video-Aufzeichnungen, dann könnte man eine komplette Büro-Etage mit mutmaßlichen Beweismitteln zustellen.

„Wir stecken mitten drin!“

Dies erklärt, warum auch drei Monate nach dem tödlichen Desaster auf der Duisburger Loveparade die ermittelnde Staatsanwaltschaft kaum etwas zum aktuellen Stand und schon rein gar nichts zu einem Abschluss der Ermittlungen und somit zu einer Anklage bei Gericht sagen möchte. „Wir stecken mitten drin“, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Haferkamp.

Immerhin: Zwei Zahlen und ein paar dürre Details gibt der Sprecher der Ermittlungsbehörde preis. Es seien bis heute weit über 700 Vernehmungen durchgeführt worden – geschädigte Personen, Polizeibeamte, Sicherheits- und Rettungskräfte, Mitarbeiter der Stadt Duisburg wie auch des Loveparade-Veranstalters. Welche Erkenntnisse und Schlussfolgerungen dies zu Tage gefördert habe? Haferkamp: „Bitte haben Sie Verständnis, dass nähere Angaben dazu nicht möglich sind.“

Neutralität

Zur Erinnerung: Nicht die Duisburger, sondern die Kölner Polizei leitet aus Gründen der Neutralität die Ermittlungen. Ermittelt wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und wegen gefährlicher Körperverletzung in mehr als 500 Fällen. Ermittelt wird nach wie vor gegen „Unbekannt“. Weswegen derzeit jeder der an dem Duisburger Todes-Desaster Beteiligten – der Veranstalter Lopavent, die Stadt Duisburg als Genehmigungsbehörde mit ihrem OB an der Spitze , die Duisburger Polizei – bislang unwidersprochen von sich behaupten kann: Wir haben keine Fehler gemacht, gegen uns wird noch nicht einmal ermittelt.

Dies ist aber wohl nur eine reine Frage der Zeit. Wann diese Zeit aber gekommen sein wird, vermag Ermittler Haferkamp nicht zu sagen. Die Einschätzung, dass diese Ermittlungen Monate, oder womöglich sogar ein Jahr und länger in Anspruch nehmen würden, stamme nicht von der Staatsanwaltschaft Duisburg. Nach wie vor seien über 80 Polizeibeamte und vier Staatsanwälte intensivst mit den Ermittlungen befasst. Etwas mehr als 400 Strafanzeigen, so schätzt Haferkamp, seien bei den Behörden eingegangen.

Unterdessen ist beim Landgericht Duisburg in diesen Tagen die erste zivilrechtliche Klage gegen Loveparade-Veranstalter Schaller und dessen Firma Lopavent eingereicht worden. Darin fordert ein Anwalt für seinen Mandanten Ersatz für die Schäden, die ihm körperlich und seelisch zugefügt wurden. Diese Klage gegen Lopavent ist nur die erste ihrer Art. Eine Flut von Klagen wird folgen.