LKA prüft alten Meidericher Mordanschlag

Am Meidericher Bahnhof wurde am 15. Dezember 2003 der türkische Gastwirt Y. mit einer Selbstschutzanlage angeschossen.  Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool
Am Meidericher Bahnhof wurde am 15. Dezember 2003 der türkische Gastwirt Y. mit einer Selbstschutzanlage angeschossen. Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool
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Duisburg. War der 34-jährige Wirt Y., der am 15. Dezember 2003 am Meidericher Bahnhof mit einer Selbstschussanlage angeschossen wurde, ein Opfer der rechtsextremen Zwickauer Terrorbande? Diesem Verdacht geht zur Zeit das Landeskriminalamt nach.

Nach dem bekannt wurde, dass die Rechtsextremisten zehn Jahre lang mordend durch die Republik zogen, überprüft das LKA nun mit dem Raster „ungeklärt“ und „ausländisches Opfer“ jeden Fall noch einmal. „Bisher gibt es allerdings keine konkreten Anhaltspunkte, die Prüfung dauert noch an“, sagte Polizeisprecher Stefan Hausch gestern der NRZ. Die Ermittler sollen eine ähnlich gebastelte Selbstschussanlage in der abgebrannten Wohnung von Beate Zschäpe in Zwickau gefunden haben, wie sie auch in Meiderich benutzt wurde.

Damals hatte der türkischstämmige Wirt der Gaststätte „Sidney“ gegen 2.30 Uhr mit einer 30-jährigen Begleiterin das Lokal verlassen und war in einen auf der Straße abgestellten Renault gestiegen. Was sie nicht ahnten: Unbekannte hatten an den Scheibenwischer eine Angelschnur befestigt, die zum Zündmechanismus einer aus drei Wasserrohren gebastelten Selbstschussanlage führte, die an der Brüstung der Bahnüberführung Singstraße lag.

Als der 34-Jährige die Scheibenwischer anstellte, löste sich ein Schuss aus der mörderischen Anlage, der die Windschutzscheibe durchschlug und das Opfer am Oberarm traf. Damals sprach die Polizei von Glück, weil sich das Opfer wohl gebückt oder gedreht habe, um sich eine Zigarette anzuzünden. Sonst hätte der Schuss durchaus tödlich sein können.

Die Ermittlungen ergaben damals keine heiße Spur. Selbst die Reise eines Duisburger Ermittlers nach München zu Rudi Cernes Sendung „XY ungeklärt“, wo er den Fall schilderte und die Selbstschussanlage vorstellte, brachte nicht den entscheidenden Durchbruch. Stefan Hausch, der 2003 selbst an den Ermittlungen in diesem Fall beteiligt war: „Wir haben damals zehn Hinweise bekommen. Aber wirklich weitergeholfen hat uns keiner der Tipps.“

 
 

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