Lewandowski tritt nach Sauftour-Vorwürfen zurück

Alfons Winterseel u. Martin Kleinwächter
Die Berlin-Fahrt der Jungen Union am ersten Oktober-Wochenende hatte nun Konsequenzen. AFP PHOTO/ODD ANDERSEN
Die Berlin-Fahrt der Jungen Union am ersten Oktober-Wochenende hatte nun Konsequenzen. AFP PHOTO/ODD ANDERSEN
Foto: AFP

Duisburg. Obwohl Aussage gegen Aussage steht, zieht der Vizechef der Jungen Union in Duisburg Konsequenzen: Bartosch Lewandowski tritt nach den Sauftour-Vorwürfen von seinen Ämtern zurück.

Der stellv. Vorsitzende der Jungen Union, Bartosch Lewandowski, kündigte am Donnerstag überraschend an, zum 1. November zurückzutreten. Er will auch sein Amt als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Homberg niederlege. Am Abend zuvor hatte es ein Gespräch des JU-Vorstandes mit dem CDU-Kreisvorstand gegeben. Danach hatte Kreisvorsitzender Thomas Mahlberg erklärt: „Das Gespräch hat einen et­was anderen Verlauf genommen als ich erwartet hatte.“ Vorwürfen zufolge soll sie mehr eine „Sauftour“ als eine Bildungsreise gewesen sein. Laut Mahlberg wurden in dem Ge­spräch sämtliche Vorwürfe be­stritten. „Allerdings waren auch die weiblichen Teilnehmer der Fahrt, die die Vorwürfe erhoben hatten, nicht da­bei“, sagte er am Donnerstag der WAZ.

Da er, Mahlberg, jedoch mit allen Teilnehmern sprechen möchte, habe er mit seiner Stellvertreterin Ulrike Bergmann vereinbart, dass sie mit den beiden Teilnehmerinnen Kontakt aufnehmen soll. „Sie will es schnell und flexibel ge­stalten“, so Mahlberg.

Nach der Aussage der männlichen Teilnehmer seien sowohl Hin- wie auch Rückfahrt zu keinem Zeitpunkt mit einem nicht fahrtüchtigen Fah­rer unternommen worden. Mit einer Ausnahme sei kein Programmpunkt ausgefallen, auch habe kein Teilnehmer eine Sachbeschädigung begangen. Man habe die JU Duisburg in Berlin „ehrenvoll“ vertreten.

JU will Verhaltenskodex erarbeiten

Trotz der Ehrenerklärung will Thomas Mahlberg nach dem Gespräch, an dem der Kreisvorstand der JU und die Parteispitze der CDU teilgenommen habe, die Vorfälle noch nicht zu den Akten legen. Als positiv bewertete er, dass die JU nun einen Verhaltenskodex erarbeiten will, worauf die CDU-Parteispitze auch gedrängt habe. Außerdem habe der Kreisvorstand der JU erklärt, für diese Reise keine öffentlichen Mittel zu beantragen. Obwohl die JU rechtlich gesehen von der CDU unabhängig ist, habe sich der NRW-Landesverband der JU erfreut gezeigt, dass die CDU sich an der Aufklärung beteilige.

Bartosch Lewandowski erklärte zu seinem Rücktritt: „Diese Entscheidung ist absolut kein Schuldeingeständnis.“ Es sei eine Reaktion auf die seiner Meinung nach nicht objektive Berichterstattung in den Medien. Er lege die Ämter zum Schutz seiner Person nieder und um Schaden von der CDU abzuwenden. „Nach wie vor wehre ich mich vehement gegen die in letzter Zeit durch die Presse gegangenen Vorwürfe zu meiner Person.“

JU-Mitglied bleibt bei Vorwurf

Im Gespräch mit der Redaktion blieb Eva Klomberg aus Walsum am Dienstag bei ihren Schilderungen. Die 18-Jährige - Medizinstudentin in Aachen - ist seit Juli Mitglied der JU Duisburg-Nord. Ahnungslos habe sie sich gemeinsam mit ihrer 20-jährigen Freundin, die nicht JU-Mitglied ist, zur Teilnahme an der Bildungsfahrt angemeldet. Die Einladung war ihr erst drei Tage vor Fahrtbeginn zugegangen. Mit der kurzen Frist sei offenbar bezweckt worden, dass die trinkfreudige Clique unter sich blieb. Dazu eingeladen habe aber JU-Kreisvorsitzender Jörg Brotzki. Er habe später erklärt, er habe schon ein ungutes Gefühl gehabt, die Mädchen mit der Clique fahren zu lassen. „Er hat es aber getan“, so Klomberg.

In dem Gespräch mit der Redaktion blieb sie dabei, dass sich der Fahrer des Kleinbusses nach dem Genuss von drei Flaschen Bier noch ans Steuer gesetzt habe.