Lesen und Schreiben muss kein Kampf bleiben

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Tobias Winnen war es leid. Lange genug hatte er sich mit seiner Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) herumgeplagt und versucht, sich damit zu arrangieren. Nach dem Realschulabschluss und einer Berufsausbildung zum Industriemechaniker fasste er den Entschluss, das Problem mit professioneller Unterstützung anzugehen. Eine Bekannte empfahl dem heute 24-Jährigen aus Straelen 2011 das Lehrinstitut für Orthografie und Schreibtechnik (LOS) in der Duisburger Innenstadt.

Nach intensivem Unterricht bei Leiterin Kerstin Blume verbesserte sich Winnen so sehr, dass er sogar sein Fachabitur nachholte. Angst vorm Lesen und Schreiben hat er heute nicht mehr.

„Man kann eine Lese- und Rechtschreibschwäche gut in den Griff bekommen und überwinden. Gerade im Erwachsenenalter ist das gut möglich. Es lohnt sich immer, etwas zu tun“, sagt Blume. Sie testete Winnen zu Beginn des Trainings und schnitt die Arbeit an seinen Schwächen individuell auf ihn zu.

Wie für viele Kinder und Jugendliche, die unter einer LRS leiden, war die Schulzeit für Winnen nicht einfach. „Es war allen Mitschülern und Lehrern bekannt, was mein Problem ist. Aber trotzdem war es mir immer sehr unangenehm, wenn wir laut etwas vorlesen mussten. Ich habe sehr langsam gelesen und Texte, die wir in Eigenarbeit interpretieren mussten, habe ich nicht verstanden.“

Studium nach dem Fachabitur

Menschen mit einer LRS haben ganz unterschiedliche Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben von Texten. Tobias Winnen bereiteten vor allem Wortendungen Probleme. Außerdem las er Wörter oft falsch und brauchte lange dafür, einen Satz zu lesen, so dass dieser für ihn am Ende oft keinen Sinn mehr ergab.

Durch die Schulzeit kam der Viersener trotz seiner Schwäche ganz gut. Doch er wollte danach seine Zukunft auf sicheres Lesen und Schreiben bauen. Kerstin Blume half ihm dabei: „Hier bekam er die nötige Zeit, die er in der Schule nicht hatte. Wir haben sie genutzt, um seine Fähigkeiten mit entsprechenden Übungen schrittweise zu verbessern“, erklärt die Sprachwissenschaftlerin.

Winnen füllte Übungsblätter aus, um Sicherheit in der Rechtschreibung zu gewinnen und musste vor allem viel lesen. Die Mühen haben sich gelohnt: Als Winnen das Fach-Abi mit angekoppelter Ausbildung zum Produktdesigner-Assistenten machte, stand er in Deutsch bald zwischen zwei und drei – ein großer Erfolg für ihn. Er betont besonders: „Ich wurde nicht anders bewertet als meine Mitschüler. Darauf bin ich stolz.“

Heute hat er seine Lese- und Rechtschreibschwäche besiegt und fühlt sich sicher. „Tobias ist wirklich gut geworden, weiteres Training wird helfen, seine Rechtschreibung noch weiter zu verbessern“, sagt Blume. Winnen plant jetzt, zu studieren und dann ins Berufsleben im Bereich Produktdesign einzusteigen.

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