Leichtigkeit und Farbenrausch

Vor drei Jahren hat sich das Publikum über die Rückkehr des ehemaligen Generalmusikdirektors Bruno Weil gefreut, nun kehrt Jonathan Darlington ans Pult der Duisburger Philharmoniker zurück. Und sofort schlägt ihm eine Welle der Sympathie im Theater am Marientor entgegen, lang anhaltender Beifall brandet auf. „Das ist ein seltsames Gefühl, hier wieder mit den Musikern zu spielen, mit denen ich so lange zusammen gearbeitet habe,“ sagt Darlington im Gespräch mit Intendant Dr. Alfred Wendel.

Die ersten beiden Werke dirigiert Darlington auswendig. Die Sinfonie in C-Dur des 17-jährigen Georges Bizet wird mit frischem rhythmischen Schwung und voller Leichtigkeit musiziert. Besonders berührend gerät das Oboen-Solo des zweiten Satzes, das von Imke Ahlers schön ausgesungen wird.

Darlington als Dirigenten wieder zur erleben, ist natürlich ein besonderes Erlebnis, denn man schaut ihm gerne beim Musizieren zu. Mit dem Taktstock formt er weite Bögen und man sieht ihm an, wie er die Musik körperlich mitempfindet. Auch zu sehen daran, dass er immer wieder mal übers Pult tänzelt. Kein Wunder bei einem Programm, in dem alle Werke auch erfolgreiche choreografische Umsetzungen erlebt haben.

Ein Tanz auf dem Vulkan ist Maurice Ravels „La Valse“: Das groß besetzte Orchester entfesselt unter Darlingtons Leitung einen wahren Farbenrausch. Wie hier die Tempi variabel gestaltet werden, verströmt dekadente Laszivität.

Nach der Pause folgt dann kein Klassiker des sinfonischen Repertoires, sondern die Duisburger Erstaufführung der Sinfonie Nr. 2 für Klavier und Orchester von Leonard Bernstein. Wer bei diesem Werk mit dem Untertitel „The Age of Anxiety“ Anklänge an die „West Side Story“ erwartet, wird enttäuscht. Das Stück bezieht sich auf ein Gedicht Wystan Hugh Audens und wirkt wie ein musikalischer Gedankenstrom.

Es gibt viele kurze Situationen, doch die großen Bögen fehlen. Stattdessen werden einige Themen in verschieden Situationen neu aufgegriffen. Jonathan Darlington und dem jungen Pianisten Frank Dupree gelingt aber eine spannungsvolle Aufführung dieses ungewöhnlichen Werks. Für die Musiker des Orchesters gibt es viele solistische Passagen, in denen sich ein nachdenklicher Dialog mit dem Klavier entwickelt.

Frank Dupree spielt dieses Werk, das er extra für dieses Konzert einstudiert hat, mit großer Selbstverständlichkeit und so, als wolle er das Klavier zur Stimme des Dichters machen. Besonders auftrumpfen kann er im Boogie-Woogie-Abschnitt, der nach all der Düsternis der vorherigen Musik wie eine Befreiung wirkt.

Beim Publikum kommt die sperrige Bernstein-Sinfonie sehr gut an. Es gibt Beifall und Bravo-Rufe. Frank Dupree bedankt sich mit einer jazzigen Zugabe.

 
 

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