Lehrer werden immer älter

Annette Kalscheur

Duisburg. „Unser Jüngster wird 50!“ steht auf einem Plakat der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es zeigt einen ergrauten Lehrer im Kreise noch älterer Kollegen. Und ist über 15 Jahre alt. „Bei der geringen Einstellungsquote war die Entwicklung ja absehbar“, sagt Norbert Müller von der GEW, auch schon 60.

Die aktuelle Statistik von Information und Technik NRW zum Alter von Lehrern bestätigt dies. 4066 Lehrer arbeiten derzeit an Duisburger Schulen, unter 35 sind nur 726, 35 bis 49 Jahre alt sind 1362 Lehrer. Über 49 sind indes 1978 Pädagogen. Im Schnitt sind die Lehrer damit 46,8 Jahre alt, Frauen etwas jünger, Männer meist älter. Das älteste Kollegium arbeitet an Hauptschulen, Durchschnittsalter: 52,6. Die jüngste Schulform ist das Gymnasium mit 45,1.

100.000 Stellen müssen neu besetzt werden

Für das Schulministerium ist klar, dass in den nächsten 20 Jahren landesweit rund 100 000 Stellen neu zu besetzen sind, was fast zwei Drittel aller Stellen im letzten Schuljahr entspricht. Die Zukunftsprognosen sind allerdings aufs Land bezogen, für einzelne Städte gibt es keine Zahlen. Nina Heil vom Schulministerium erklärt aber, dass die Rahmenbedingungen in den Kommunen sehr unterschiedlich sind: Auf dem Land ist es schwieriger, einen Lehrer anzulocken als in der Stadt. Ist vor Ort ein Studienseminar wie in Duisburg, lassen sich hier ausgebildete Lehrer ebenfalls leichter halten. Aktuell sind in Duisburg laut Bezirksregierung Düsseldorf nur zwei Stellen nicht besetzt.

Laut Heil rechnet das Ministerium weniger mit Mangel an einzelnen Schulformen als in einzelnen Fächern. So gebe es bereits einen Mangel in naturwissenschaftlichen Fächern.

Didaktische Neuerungen kämen nicht an

Norbert Müller sieht neben der Quantität bis zum Generationenwechsel ganz andere Probleme: „Das Erziehungs-Ideal, dass Lehrer die nächste Generation erziehen sollen, ist ja durchbrochen, wenn nur noch Omas und Opas an der Tafel stehen.“ Ohne junge Kollegen, die frischen Wind hineinbringen, stagniere auch die pädagogische Entwicklung einer Schule, didaktische Neuerungen kämen nicht mehr an. Seiteneinsteiger sieht Müller nicht als Heilmittel, weil die Abbrecherquote so hoch sei. Und Studierende könne man von ihrem Weg in die freie Wirtschaft nur abhalten mit einer kontinuierlichen Einstellungspolitik.