Landesasyl in Duisburg soll ab November 300 Flüchtlinge aufnehmen

Fabienne Piepiora
Sozialarbeiter Hartmann (re.) betreut die Familie Amar. Sie wohnt in einer Wohnung in Neuenkamp.
Sozialarbeiter Hartmann (re.) betreut die Familie Amar. Sie wohnt in einer Wohnung in Neuenkamp.
Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Die Vorbereitungen für das Landes-Asyl im ehemaligen Duisburger Barbara-Hospital laufen auf Hochtouren. Im November sollen 300 Flüchtlinge in dem ehemaligen Krankenhaus untergebracht werden. Auf Security und externe Kräfte will die Stadt Duisburg in dieser Zentral-Unterkunft verzichten.

Duisburg. Nachdem der Rat in seiner jüngsten Sitzung den Weg für ein Landesasyl in Neumühl frei gemacht hat, haben die Vorbereitungsarbeiten der Bezirksregierung Arnsberg begonnen. Im November sollen 300 Flüchtlinge in dem ehemaligen Krankenhaus untergebracht werden. Derzeit leben bereits 1633 Asylbewerber in Duisburg. Zustände wie in den Nachbarstädten sind dennoch undenkbar, erklärt Stephan Kiepe-Fahrenholz, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Duisburg.

Nur 806 Asylbewerber wohnen in einem der sieben Übergangsheime, 827 Personen sind in 239 beschlagnahmten Wohnungen untergebracht. Das produziert weniger Stress als Massenunterkünfte. Die Duisburger Polizei kann denn auch kaum Zwischenfälle melden. Wenn die Beamten ausrücken, dann vor allem wegen Ruhestörungen.

Unterkunft in Duisburger Wohnungen entzerrt Konflikte

Auf Sicherheitsleute verzichtet die Stadt komplett, ebenso auf externes Personal. Stattdessen sind 16 städtische Mitarbeiter mit der Betreuung beauftragt, ebenso ein Team der Diakonie und des Deutschen Roten Kreuzes. Einige der städtischen Angestellten sind Sozialarbeiter, andere waren vorher in der Verwaltung beschäftigt. „Die meisten sprechen mehrere Sprachen. Sie wurden im Vorfeld geschult. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, betont Stadt-Sprecherin Susanne Stölting. Außerdem versuche die Stadt bei der Verteilung auf ethnische Zusammensetzung zu achten.

Trotzdem ist die Stimmung in den sieben Großunterkünften manchmal gereizt. „In der Turnhalle Rheinhausen durften wir aus Brandschutzgründen keine Trennwände aufstellen. Es gibt kaum Privatsphäre. Stellen Sie sich mal vor, eine Frau will einen Pullover wechseln“, berichtet Kiepe-Fahrenholz. Wohnungen böten wenigstens die Möglichkeit, hinter sich abzuschließen. Andererseits müssten diesen Asylbewerbern bei der Kontaktaufnahme geholfen werden. „Unsere Mitarbeiter sind zur Stelle und zeigen den Asylbewerbern, wo sie einkaufen können, erklären, wie man ein Konto eröffnet und wo der nächste Arzt ist.“ Und:

In Wedau und Neuenkamp gibt es zum Beispiel dutzende helfende Nachbarn. Die Ehrenamtlichen organisieren Wäsche und Spielzeug oder übersetzen bei Behördengängen. Kiepe-Fahrenholz: „Die Hilfsbereitschaft ist da. Aber man muss die Bürger vorher informieren und mitnehmen, wenn ein neues Heim entstehen soll.“

Zeltdorf für Flüchtlinge in Walsum wird demnächst abgebaut

Die meisten Flüchtlinge, die in Duisburg leben, kommen aus Russland. Auf Platz zwei der Statistik liegt Albanien. Es folgen Serbien und Mazedonien, erst auf dem fünften Rang befindet sich Syrien. Wie viele Kinder und Jugendliche unter den Asylbewerbern sind, lässt sich nicht genau sagen. Derzeit gibt es in der Grundschule 32 Einsteigerklassen und zehn Fördergruppen. Das entspricht 515 Kindern (und 35 bereits angemeldeten). Die weiterführenden Schulen besuchen 658 Jugendliche. Fünf Auffangklassen gibt es in der Oberstufe.

Die Zelte in Walsum sind übrigens noch nicht abgebaut. Das soll aber demnächst geschehen, so Susanne Stölting von der Stadt.