Landes-Archiv: Baustelle betreten verboten

Oliver Schmeer
Nur Fotos von außen sind erlaubt von der Baustelle des Landesarchivs, das am Duisburger Innenhafen gebaut wird. Foto: Gerd Wallhorn/WAZ FotoPool
Nur Fotos von außen sind erlaubt von der Baustelle des Landesarchivs, das am Duisburger Innenhafen gebaut wird. Foto: Gerd Wallhorn/WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Trutzig wie eine Burg ragt der Beton-Koloss am alten RWSG-Speicher am Innenhafen in den Himmel. Trotzig zeigt sich der Bauherr des neuen Landesarchivs NRW, der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb BLB. Er zieht die Brücke hoch: Bloß keine Presse, bloß keine Baureportage. Nachwehen aus der skandalträchtigen Vorgeschichte sind das wohl, Pressescheu wegen der Ermittlungen gegen den Ex-BLB-Chef.

Duisburgs größte Baustelle. Auch die teuerste mit einen Volumen von nunmehr mindestens 160 Millionen Euro. Und eine Baustelle, die der Stadt eine spektakuläre neue Landmarke beschert. Doch alles Drängen der WAZ, ihren Lesern und den Bürgern „ihr“ neues Architektur-Highlight näher zu bringen, stößt bei der Düsseldorfer BLB-Zentrale auf Ablehnung. Nein, eine Baustellenbesichtigung sei aus „bautechnischen und Sicherheitsgründen“ leider nicht möglich. So, so.

Also muss man sich begnügen mit dürren Pressemitteilungen über den Baufortschritt des künftigen „Gedächtnisses des Landes“. Muss mit dem Blick von außen vorlieb nehmen. Vom Hafenbecken etwa, den man sich mit zwei Obdachlosen teilt, die auf einer Uferbank sitzen. Oder von der anderen Seite, von der Schifferstraße, auf der man den Kopf in den Nacken legen muss, um die über 60 Meter aufragende Spitze des Betonklotzes sehen zu können.

134 Regalkilometer, 21 Stockwerke

Der „Turmbau zu Duisburg“ ist ein spektakulärer. Grau-Weiß ragt der gigantische, fensterlose Betonklotz aus den Giebeldächern des einstigen Speichers hervor, an dem der damalige CDU-Ministerpräsident Rüttgers im April 2010 den ersten Spatenstich tätigte und „Deutschlands schönstes Archiv“ versprach. Um drei Meter am Tag wuchs der Koloss dank besonderer Schalungstechnik im Sommer. Mit dem Spitzdach wird der Mittelteil 78 Meter hoch sein. Auf 160 Metern schlängelt sich daneben die wellenförmige Rohbaukulisse des Seitentraktes das Hafenbecken entlang.

Anfang 2012 soll der Rohbau fertig sein. Dann wird der Klotz rot verklinkert. Ein Jahr später soll das Landesarchiv öffnen, das auf 134 Regalkilometern und in 21 Stockwerken des Turms Nordrhein-Westfalens Geschichte und Millionen Akten und Dokumente archivieren wird. Unter anderem auch das Original der nordrhein-westfälischen Landesverfassung.