Land NRW kauft die Mehrheit der Anteile am Duisburger Hafen

Willi Mohrs
Der Hafen Duisburg verbindet Schiene, Straße und Wasserstraße und dient so der ganzen Region.
Der Hafen Duisburg verbindet Schiene, Straße und Wasserstraße und dient so der ganzen Region.
Foto: Hans Blossey
Bald verfügt das Land NRW über eine Zweidrittelmehrheit der Hafenanteile in Duisburg. Das bedeutet, dass die Landesregierung in Zukunft das Sagen im Hafen haben wird. Noch steht die Zustimmung der Gesellschaft und des Aufsichtsrates aus. Außerdem muss die Kartellbehörde zustimmen.

Duisburg. Das Land Nordrhein-Westfalen hat in Zukunft das Sagen im Duisburger Hafen. Die Landesregierung hat am Dienstag dem Kauf des Bundesanteils an der Duisburger Hafen AG durch die Beteiligungsverwaltungsgesellschaft des Landes (BVG) zugestimmt.

Die BVG hielt bisher ein Drittel der Anteile am Hafen, ebenso wie der Bund und die Stadt Duisburg. Mit dem Bundesanteil verfügt das Land über eine Zweidrittelmehrheit an der Hafengesellschaft.

Der Erwerb setzt noch die Zustimmung der Gesellschaft und ihres Aufsichtsrates voraus. Der entsprechende Vorstandsbeschluss liege bereits vor, die Zustimmung des Aufsichtsrates werde in Kürze erwartet, teilten gestern Verkehrs- und Finanzministerium des Landes mit. Auch sei die Zustimmung der Kartellbehörde noch erforderlich.

Große verkehrspolitische Bedeutung

„Der Duisburger Hafen ist die Handels- und Verkehrsdrehscheibe der Rhein-Ruhr-Region und als weltgrößter Binnenhafen Zentrum der nordrhein-westfälischen Logistikwirtschaft. Vor dem Hintergrund des zu erwartenden weiter stark wachsenden Verkehrsaufkommens kommt dem Hafen eine immer größere verkehrspolitische Bedeutung zu. Gleichzeitig ist er einer der größten Arbeitgeber in der Region“, sagte NRW-Verkehrsminister Michael Groschek nach der Kabinettsentscheidung. An der Geschäftspolitik des Hafens werde sich nichts ändern. Das Land setze auf „Kontinuität des Bewährten“.

FotoreiseDas Land zahlt für die Bundesanteile „auf der Grundlage eines objektiven Wertgutachtens“ 47,7 Mio Euro. Dazu Finanzminister Dr. Walter-Borjans: „Bei einer so wichtigen Stütze der nordrhein-westfälischen Infrastruktur darf es keine Experimente mit Investoren geben, deren Motive unbekannt sind.“

Spekulationen in der Vergangenheit

In der Vergangenheit hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, wer als Interessent für das Bundes-Drittel in Frage kommen könnte. Meistgenannt: der Hafen Rotterdam, da Duisburg wichtige Hinterland-Drehscheibe für den größten Nordseehafen ist. Auch Antwerpen oder Hamburg waren als potenzielle Interessenten im Gespräch, ebenso große Logistikunternehmen, allen voran die Deutsche Bahn. Der Bund wollte sich schon seit Jahren von seinen Anteilen trennen. Verkehrsminister Peter Ramsauer war allerdings gegen den Verkauf.

Die Landesminister Groschek und Garrelt Duin (Wirtschaft) sitzen derzeit fürs Land im Hafen-Aufsichtsrat, wollen sich dem Vernehmen nach aber zurückziehen. Wer das Land in Zukunft vertritt, steht noch nicht fest.

Und Hafen-Chef Erich Staake geht’s wohl ans Geld. Gut 530.000 Euro hat er zuletzt erhalten, künftig sollen seine Einkünfte wohl etwas niedriger ausfallen. Der Hafenaufsichtsrat hatte sich auf seiner letzten Sitzung unter anderem mit den Vorstandsgehältern befasst.