Kuratorium kündigt Lehmbruck-Direktor Raimund Stecker

Läuft seine Zeit als Direktor des Lehmbruck-Museums ab? Raimund Stecker mit einer Arbeit von Fabrice Samyn.
Läuft seine Zeit als Direktor des Lehmbruck-Museums ab? Raimund Stecker mit einer Arbeit von Fabrice Samyn.
Foto: WAZ FotoPool
Das Kuratorium des Duisburger Lehmbruck-Museums hat den Vertrag mit Raimund Stecker gekündigt, trotzdem erhielt der Museums-Direktor eine Bewährungszeit bis Mitte 2013. Wie es aus Kuratoriumskreisen heißt, herrsche sowohl finanziell als auch organisatorisch im Haus ein Durcheinander, deshalb ist auch das Rechnungsprüfungsamt eingeschaltet.

Duisburg. Mitte 2013 wird sich herausstellen, ob Raimund Stecker auch über das kommende Jahr hinaus Direktor des Wilhelm-Lehmbruck-Museums bleibt. Das Kuratorium und Stecker hätten sich „in beiderseitigem Einvernehmen“ darauf geeinigt, seinen Vertrag fristgerecht zum Ende 2013 zu beenden, fasst Stadtsprecher Frank Kopatschek das Ergebnis der Kuratoriumssitzung am Freitag zusammen: „Er kann das Jahr nutzen, um das verlorene Vertrauen in ihn wieder herzustellen.“

Auch Verwaltungsleiter soll Museum verlassen

Wie zu erfahren war, wird auch Walter Krüger, als Verwaltungsleiter des Museums zuständig für die Finanzen, „einvernehmlich“ das Lehmbruck-Museum verlassen. Für ihn soll ein Finanzexperte aus der Stadtverwaltung ans Haus kommen, der ein strengeres Auge auf Steckers Umgang mit Geld wirft. Das Finanzgebaren des Museumschefs, das das Haus an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geführt hat, soll in der Kuratoriumssitzung hart kritisiert worden sein.

So habe Stecker trotz der (zinsbedingt) geringen Einnahmen aus dem Stiftungsvermögen und bei einem gleich bleibenden Zuschuss der Stadt von jährlich zwei Millionen Euro eine zusätzliche Stelle eingerichtet. Auch fehlten Belege etwa für Restaurantbesuche bei Dienstreisen. Wie es aus Kuratoriumskreisen hieß, herrsche sowohl finanziell als auch organisatorisch im Haus ein Durcheinander, das dringend geordnet werden müsse. Seit einigen Tagen ist das Rechnungsprüfungsamt aktiv, der Jahresabschluss 2011 wir von einem Wirtschaftsprüfer einer Sonderprüfung unterzogen. Stecker habe es verpasst, angesichts der finanziellen Schieflage rechtzeitig die Reißleine zu ziehen.

Erneute Verhandlungen nach einem halben Jahr Bewährungszeit

Der Museumschef, der an der Kuratoriumssitzung nicht teilgenommen hat, sondern in Urlaub ist, zeigte sich vom Ergebnis nicht überrascht. Oberbürgermeister Sören Link habe sich ihm gegenüber „sehr fair und offen“ verhalten und ihm das „positive Angebot“ gemacht, das erste Halbjahr 2013 zu nutzen. „Dann werden wir sehen, ob seine und meine Vorstellungen nicht viel kompatibler sind als es scheint“, so der Museumsdirektor.

Er habe vor drei Wochen selbst erwogen zu kündigen, sei aber von Kuratoriumsmitgliedern davon abgehalten worden“, sagte Stecker. OB Link bestehe darauf, sich nach einem halben Jahr mit ihm zusammenzusetzen. Entweder werde dann die Kündigung zurück genommen und sein Vertrag neu verhandelt – oder er suche sich einen neuen Job: „Ich sehe das ganz sportlich“. Seine Position: „Wenn man ein attraktives Museum möchte, kommt man auf mich zu. Wenn nicht, gibt es eine andere Lösung.“