Kupferdiebe decken seit Monaten Kirche in Duisburg-Marxloh ab

Längst entweiht und nun auch gefleddert: die St. Paul Kirche in Duisburg-Marxloh ist im Visier von Kupferdieben.
Längst entweiht und nun auch gefleddert: die St. Paul Kirche in Duisburg-Marxloh ist im Visier von Kupferdieben.
Foto: Archiv/Lars Fröhlich/WAZ FotoPool
Hausmeister Klaus Krumpholz kämpft einen „aussichtslosen Kampf“ um die schmucke Paulskirche in Duisburg-Marxloh. Seit Monaten wird die Kirche von Kupferdieben aus Rumänien und Bulgarien gefleddert. Jetzt habe Diebe sogar für einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr gesorgt.

Duisburg.. Es war im vergangenen Jahr im Herbst, da hat Klaus Krumpholz (49) den Kampf um seine Kirche aufgenommen. Den, wie er heute sagt, „aussichtslosen Kampf“ um die Paulskirche in Marxloh. Die Backsteinkirche wirkt von außen wir eine Burg. Gläubige zieht sie schon längst nicht mehr an - aber Kupferdiebe.

Klaus Krumpholz ist der Hausmeister dieses einst schmucken und kostbaren Gotteshauses aus der Nachkriegszeit. Doch nachdem der Bischof von Essen vor vier Jahren verfügte, dass aus Gründen der Sparsamkeit aus St. Paul in Marxloh keine Gebete mehr zum Himmel fahren sollen und dass man IHN über St. Peter in der Nachbarschaft immer noch ganz gut erreichen könne, da wurde es plötzlich sehr still und zunehmend auch verwahrlost um die kleine katholische Ex-Kirche in dem einfachen Marxloher Wohnquartier.

Das war das Signal zur Plünderung

Drei Jahre schlummerte St. Paul unbehelligt im Dornröschenschlaf, bis jemand, so erzählt der Hausmeister, im vergangenen Herbst „mal probeweise von außen etwas von der Kupferverkleidung der Kirche abgerissen und geklaut hatte.“ Das muss das Signal für die große Plünderung gewesen sein, die seit diesem denkwürdigen Herbsttag eingesetzt hat. Und die am vergangenen Freitag mit einem Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Das begehrte Ziel der Fledderer: Das kostbare Kupfer, das das einst feine Klinkerhaus samt Glockenturm ummantelte und behütete wie eine Madonna. Keine sechs Monate später ist die tonnenschwere kostbare Schutzschicht abgerissen. Stück für Stück gestohlen, davongetragen in Rucksäcken, Sporttaschen, Koffern und Plastiksäcken. 40.000 € wertvoll.

Zum wievielten mal ihn nachts die Polizei aus dem Bett geklingelt hat, weiß er gar nicht mehr, erzählt Krumpholz. Mindestens so oft, wie er selber die Polizei angerufen und um Hilfe gebeten hat. Dutzende Male. Immer Metalldiebe! Immer junge Zuwanderer aus Rumänien oder Bulgarien. Sie reden kein Wort, sie sind nicht aggressiv, aber sie klauen wie die Raben das kostbare Edelmetall vom Dach und von den Wänden.

Freitagnacht waren sie mal wieder da. „Aber die Polizei hat niemand gefunden, obwohl sie Suchhunde dabei hatten.“ Dann aber aber am Freitagmittag, als Hausmeister Krumpholz noch mal in seiner Kirche nachschaut, in die es mittlerweile vom Himmel hineinweint, auf die verschimmelten Kirchenbänke und den großen gewesenen Marmoraltar, da gab es verdächtige Geräusche. Seiner Frau am Fenster habe er sofort das Zeichen gegeben: „Polizei anrufen“. Die kamen dann angerauscht. Sechs Streifenwagen, mehr als 12 Polizisten umstellen die ehemalige Kirche. „Sie finden niemanden, aber sie hören auch verdächtige Geräusche.“

Die Diebe haben sich irgendwo in dem feucht riechenden, dumpf-dunklen Bau geschickt versteckt. Im Zwischenboden über dem Kirchenraum stecken sie drin. Also wird die Feuerwehr gerufen:

Ein Dieb sprang vom Kirchendach, einen anderen biss ein Polizeihund

Die kommt mit einer Drehleiter und Männern mit Kettensägen. Eine Stunde lang schreddern die Wehren zehn Löcher in den Boden, bis sie dann zwei stumme, kleine männliche Wesen aus dem Fußhohlraum ziehen. Eines, ein Junge, ein Kind noch, erst elf Jahre alt, wie sich später rausstellt, aber schon eifrig auf Diebestour. Der andere, 24 Jahre alt, sein „Onkel“ aus Rumänien, zu Besuch bei seiner Familie in Duisburg.

Den Reisekoffer und den Rucksack hatte der Onkel aus Rumänien noch dabei, doch statt gefüllt mit Wäsche und Waschzeug und Kleidung war er vollgestopft mit Kupferstücken vom Dach der Kirche. „Bestimmt 3000 Euro wert“, stöhnt Hausmeister Krumpholz. Er und seine Frau sind völlig ratlos, was sie machen können, um die schöne Ex-Kirche zu beschützen: „Ein Jammer, das!“

Katz und Maus und Lebensgefahr

Abends, nachts, morgens, mittags - immer schwirren Metalldiebe in die Kirche. „Mal schnappen wir sie, mal flitzen sie weg.“ Wurden sie geschnappt, stellt die Polizei die Identität fest und setzt sie auf freien Fuß, wenn nicht mehr als erstmaliger Metalldiebstahl gegen sie vorliegt. Dass sie natürlich niemals freiwillig einer Gerichtsvorladung folgen werden, ist klar.

Und so decken sie weiter das Kupferdach der Paulskirche ab und rennen der Polizei und dem Hausmeister davon. Ein Katz und Mausspiel, das lebensgefährlich ist. Ein Dieb ist am 5. Juni vom baufälligen Kirchendach auf einen Baum gesprungen und hat sich schwer verletzt, sein flüchtender Kumpan wurde vom Polizeihund gebissen.

Wohin soll das noch führen? „Das Gebäude soll wohl bald abgerissen werden. dann wäre hier endlich Ruhe,“ sagt der Hausmeister.

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