Kunstverein zeigt Fotografien ohne digitales Fangnetz

Brigitta Thaysen fotografiert ausschließlich in Schwarz-Weiß. Zwölf Werke sind in der Schau zu sehen.
Brigitta Thaysen fotografiert ausschließlich in Schwarz-Weiß. Zwölf Werke sind in der Schau zu sehen.
Foto: Funke Foto Services
Brigitta Thaysen hat bei Bernd und Hilla Becher das klassische Handwerk erlernt. Ihre Schau zeigt eindrucksvoll, was analoge Technik vermag.

Kaßlerfeld.. Im Fokus steht das fotografische Handwerk, schwarz-weiß, analog und ohne digitale Verfremdungen: Brigitta Thaysen vertritt das, wofür die „Düsseldorfer Photoschule“ steht. Die 52-Jährige hat ihr Handwerk an der dortigen Kunstakademie gelernt, bei Bernd und Hilla Becher persönlich. Jetzt stellt die Künstlerin unter dem Titel „urban nature“ im Kunstverein Duisburg aus.

„Mit dieser Ausstellung haben wir uns einen Wunsch erfüllt“, sagt Kurator Hartmut Hauschildt vom Kunstverein nicht ohne Stolz. Gerade die älteren Mitglieder des Vereins hätten sich nach der „ehrlichen“, klassischen Schwarz-Weiß-Fotografie gesehnt. Mit Brigitta Thaysen fanden sie eine Vertreterin, die nicht nur das analoge Handwerk bestens beherrscht, sondern auch eine besondere künstlerische Ästhetik vertritt, die auch zu Duisburg bestens passe.

Die Motive in dieser Schau verbinden auf besondere Weise Natur und urbane Architektur. Sie zeigen den Übergang zwischen Anlagen, die von Menschenhand errichtet wurden und der frei wuchernden Flora. Meist sind es ganz alltägliche wirkende Situationen, die sie in den Fokus rückt. So hat Brigitta Thaysen etwa den Treppenaufgang zur Brücke am Eisenbahnbassin in Ruhrort in Szene gesetzt: Blätterlose Zweige umgeben das runde Dach über der menschenleeren Wendeltreppe. Ein weiteres Bild zeigt eine Kaimauer am Erftkanal in Düsseldorf und das gegenüberliegende begrünte Ufer.

Richtig schwarz – dank Kaffee

„Ich hoffe, dass mit meinen Bildern ein Augenblick der Ewigkeit festgehalten ist“, erklärt die Künstlerin, die aus diesem Grund auf Farbfotos verzichtet. Um welche Jahreszeit eine Aufnahme entstanden ist, wie frisch oder verblasst die Architektur aussieht, das alles ist auf den ersten Blick nicht erkennbar.

Stattdessen rücken die Kontraste in den Vordergrund – und diese herauszuarbeiten hat die Analogspezialistin bei ihren Fotografien perfektioniert. Damit auch in äußerst dunklen Bereichen noch Schattierungen erkennbar sind, verwendet sie „Caffenol“, eine alternative Entwicklungsflüssigkeit, die auf Basis von handelsüblichem Instant-Kaffee selbst angerührt werden könne. Durch solche Tricks seien auch bei der analogen Fotografie Verfremdung möglich.

Ein weiterer technischer Kniff ist die Doppelbelichtung: Ein Ruinen-Motiv mit Palmen auf Costa Rica hat sie so in kurzem Abstand gleich doppelt aufgenommen und auf einem einzigen Bild eingefangen. Zerteilt in neun quadratische und einzeln gerahmte Teile bildet es das Herzstück der Ausstellung. Es ist Kunst durch technisches Können – ganz ohne Photoshop.

Info: Die Ausstellung wird am Sonntag, 5. Juni 2016, um 11 Uhr im Kunstverein Duisburg, Weidenweg 10, eröffnet. Sie läuft bis zum 3. Juli. Öffnungszeiten: freitags und samstags von 17 bis 20 Uhr, sonntags von 14 bis 18 Uhr.

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