Kunstrückgabe: Erben machen weiter Druck

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr holt die Raubkunst-Debatte das Wilhelm Lehmbruck Museum erneut ein. Zwar hat sich die Museumsführung nach jahrelangen Streit zur endgültigen Aufklärung der Herkunft von zwei umstrittenen Kunstwerken entschieden. Und auch der Rat hatte im April ein deutliches Zeichen mit dem Beschluss gesetzt, dass die sogenannte Provenienz der beiden Bilder von externen Experten erforscht wird. Allerdings gilt dieser Beschluss nur für die Ansprüche der Erben des jüdischen Kunstsammlers Alfred Hess. Kurz zuvor aber kam auch die Rückforderung des „Buchsbaumgartens“ von Emil Nolde ans Licht. Seit 15 Jahren fordern die Erben des jüdischen Kunstsammlers Dr. Ismar Littmann das Ölgemälde zurück. Nach jahrelanger Funkstille machten die Anwälte dann im Frühjahr ihre Ansprüche erneut geltend. Inzwischen hat es auch ein Treffen in Duisburg gegeben. Zwar will das Museum analog zu den beiden anderen Restitutionsfällen verfahren. Ein entsprechender Beschluss des Kuratoriums für die Erforschung der Herkunft liegt jetzt bereits vor, der neu gewählte Stadtrat soll ihn Ende Juni absegnen.

Doch der von den Erben beauftragten Kanzlei, die sich auf die Nachspürung solcher Fälle spezialisiert hat, dauert das Verfahren offenbar zu lange. Die Herkunft des Bildes zu klären, sei aus ihrer Sicht nicht mehr nötig, da bereits vor Jahren kein Zweifel mehr daran bestanden habe, dass es sich bei dem Bild aus der Sammlung um einen NS-verfolgungsbedingten Verlust handelt.

Das Bild war zweifelsfrei im Besitz von Ismar Littmann, der sich nach der Drangsalierung durch die Nazis 1934 das Leben nahm. Die Familie musste einen Großteil der Kunstschätze verkaufen. Der „Buchsbaumgarten“ wurde 1935 in Berlin für 350 Reichsmark versteigert, ebenfalls an einen jüdischen Kunstsammler, den Bankier Heinrich Arnhold, der 1937 mit dem Bild in die USA flüchtete. Das Museum erwarb das Bild dann 1956 für 3500 Mark.

Tatsächlich hatte das Museum den Erben bereits 2006 eine Entschädigung von 300.000 Euro angeboten. Doch für die Erben stand der Betrag nicht in angemessener Relation zum Wert des Bildes, das heute bei einer Versteigerung locker die Millionengrenze überschreiten würde.

Die Kanzlei wittert jetzt offenbar eine Hinhalte-Taktik, der Ton wird schroff. In einem Schreiben an die Museumsführung heißt es: „Es hat sich in Duisburg nichts geändert. Die Reise nach Duisburg hätten wir uns sparen können.“

 
 

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