Kunst legt per Schiff an

Anne Horstmeier
Ralf Lüttmann in der Galerie „Ruhrkunstort“ mit seinem Beitrag zum Projekt „Irden - Ton trifft auf Stahl ".
Ralf Lüttmann in der Galerie „Ruhrkunstort“ mit seinem Beitrag zum Projekt „Irden - Ton trifft auf Stahl ".
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Die 2,5 Tonnen Ton stammen aus Erkelenz, die 25 Künstler aus Düsseldorf und Duisburg — und die Skulpturen erreichen mit der MS Rheinfels das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Ruhrort. Damit erlebt das Projekt „Irden – Ton trifft auf Stahl“, das seit 2013 läuft, im Mai seinen spektakulären Höhepunkt.

Entwickelt wurde die Idee zu diesem Bildhauer-Symposium vom Kunstverein Haltepunkt Düsseldorf-Gerresheim und dem Kreativkreis Ruhrort, der Künstler eingeladen hat, sich durch die Geschichte und den Standort anregen zu lassen und auf das uralte Material Ton zu reagieren. Während Gerresheim das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude von 1888 an der ältesten Bahnstrecke Westdeutschlands sowie den alten Ringofen der ehemaligen Ziegelei Sassen beherbergt, wo Ziegel gebrannt wurden, ist Ruhrort schon seit dem 14. Jahrhundert Umschlagort von Rohstoffen und Handelsware.

"Hier gibt es viele Vorurteile"

Zunächst wurde die Tonerde gewonnen, die – anders als der sonst erhältliche Ton – noch mit Blättern, Zweigen und Steinchen durchsetzt ist. Dann arbeiteten die Künstler mit den Tonwürfeln mit einer Kantenlänge von 40 Zentimetern. „Erstmal haben wir sechs Stunden lang den Ton gekloppt“, schildert Ralf Lüttmann den anstrengenden Anfang gemeinsam mit Britta Odenthal im „Ruhrkunstort“, einer Galerie in einem ehemaligen Ladenlokal an der Fabrikstraße.

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Weiter ging es zum Ziegelei-Ringofen Sassen in Gerresheim, wo die Arbeiten bei ungewöhnlich hohen Temperaturen gebrannt wurden, denn nicht alle Werke überlebten den Prozess, so Lüttmann. So sprengte es die Platte seines geplanten Tisches und er musste sich etwas Neues überlegen. Auf die vier Beine setzte er maskenartige Köpfe, und auf Tafeln sind die Worte des Schriftzugs „Nicht alle über einen Kamm scheren“ zu lesen. Auf die Idee dazu kam er in Ruhrort. „Hier gibt es viele Vorurteile“. Es werde abfällig über „Alkis“, „Psychos“ und „Ausländer“ gesprochen. Aber mit dem Laden und der Nähe zu den Menschen lerne man eben, nicht alle über einen Kamm zu scheren.

Die erste große „Irden“-Ausstellung wird am 11. April im Gerresheimer Bahnhofsgebäude eröffnet, weiter geht’s am 2. Mai zum Ziegelei-Ringofen Sassen, und am Dienstag, 6. Mai, werden die Ton-Skulpturen auf dem Sonnendeck des Schiffs Rheinfels vom Rheinanleger der Tonhalle Düsseldorf bis zum Anleger des Museums der deutschen Binnenschifffahrt gefahren. Kunst überschreitet Grenzen – wie sonst Stahl, Eisenerz, Kohle, Kies oder Getreide.