Kultur hinter den Mauern der Duisburger Forensik

Thomas Richter
Das Niederrheinische Therapiezentrum im südwestlichsten Duisburger Stadtteil Hohenbudberg wurde am 1. Januar 2010 unweit der Stadtgrenze zu Krefeld eröffnet.
Das Niederrheinische Therapiezentrum im südwestlichsten Duisburger Stadtteil Hohenbudberg wurde am 1. Januar 2010 unweit der Stadtgrenze zu Krefeld eröffnet.
Foto: Hans Blossey
Das Niederrheinische Therapiezentrum in Duisburg bietet seinen Patienten die Möglichkeit, an Kulturveranstaltungen teilzunehmen. Zweimal im Jahr kommen Musiker, Kabarettisten, Zauberer oder Comedians in die Forensik. Für beide Seiten ist dies eine willkommene Abwechslung.

Duisburg. Seit gut einem Jahr arbeitet das Niederrheinische Therapiezentrum (NTZ) an der Dahlingstraße in Hohenbudberg nun schon mit dem Kunst- und Literaturverein für Gefangene mit Sitz in Dortmund zusammen. Letzterer organisiert Auftritte von Musikern, Zauberern oder Comedians hinter den gesicherten Anstaltsmauern. Für die Forensik-Patienten bedeutet das nicht nur Abwechslung im Alltag. „Sie sollen dadurch auch Lust auf etwas Neues sowie Vorfreude auf Draußen entwickeln“, sagt Bernd Neumicke, der Vorsitzende des Kunst- und Literaturvereins.

Nach einer geglückten Premiere beim Sommerfest 2013, als die Band Rock-O-Ko den exakt 100 Patienten und den rund 150 Mitarbeitern des NTZ einheizten, steht am Freitag, 8. November, das nächste Konzert in der Duisburger Einrichtung an. Ab 19 Uhr werden The Rockin’ Soul Blues in der Sporthalle die Bühne erobern. „Für die Patienten kommt so etwas Neues von außen rein. Sie spüren: Es wird etwas für uns gemacht. Diese Form von Wertschätzung und Anerkennung ist wichtig für den Therapieverlauf“, erklärt Dr. Bernhard Wittmann, Geschäftsführer des NTZ.

Wertschätzung und Anerkennung

Neben Sportangeboten sei die Kultur ein wirksamer Weg, um neue emotionale Zugänge zum Innenleben der Patienten zu finden. Es gebe Patienten, so Wittmann, die seien im Verlauf der Therapie zu Marathonläufern geworden, andere hätten eine eigene Band gegründet. „Das alles dient aber nicht der Bespaßung. Ziel der Therapie ist es, Patienten als rücksichtsvolle Menschen zu entlassen, die ihren eigenen Wert, aber auch den ihres Gegenübers schätzen können.“

Bläck Fööss und Hennes Bender machen mit

Der 2002 gegründete Kunst- und Literaturverein für Gefangene arbeitet mit 40 Therapiezentren und Gefängnissen in zehn Bundesländern zusammen. Pro Jahr gibt es 100 Veranstaltungen. Beim Projekt „Kultur hinter Mauern“ beteiligen sich auch prominente Künstler wie die Kölner Kultband Bläck Fööss, der Kabarettist Wilfried Schmickler oder Comedian Hennes Bender. Sie alle treten ohne Gage auf. Die Resonanz der Künstler sei durchweg positiv, viele traten bereits mehrfach auf.

„Unser Verein hat 70 Mitglieder, wir erhalten keine Unterstützung von der Stadt oder dem Land und sind daher auf Spenden angewiesen“, so Vorsitzender Neumicke.