Künstler versteht Verbot von Tunnelskulptur "Totlast" nicht

Der Raumkünstler Gregor Schneider spielt mit den verborgenen Ängsten der Menschen. Dass sein neues Raum- und Tunnelkunstwerk "Totlast" von Duisburg abgelehnt wurde, hält er für einen Fehler — für die Stadt wäre die Skulptur "ein Riesengeschenk" gewesen.

Duisburg.. Der Künstler Gregor Schneider hat die Absage der Stadt Duisburg, sein Raum- und Tunnelkunstwerk "Totlast" zu realisieren, als Fehler kritisiert. "Eigentlich ist das ein Riesengeschenk, das wir der Stadt Duisburg machen wollten", sagte Schneider am Dienstag.

Oberbürgermeister Sören Link (SPD) als Kuratoriumsvorsitzender des Lehmbruck Museums sei seit langem über den Inhalt und den Titel des Projekts informiert gewesen. "Ich habe alles mit Modellen vorgestellt", sagte der aus Mönchengladbach stammende Schneider (45). "Hätten wir es rechtzeitig gewusst, wären wir in eine andere Stadt gegangen."

Dass Link das Projekt fallen lasse, sei "ein klarer Rechtsbruch", da dafür kein Mehrheitsbeschluss gefasst worden sei. Als Kuratoriumschef eines Museums habe Link außerdem die Aufgabe, sich für Kunst einzusetzen. Für das Lehmbruck-Museum wäre das Kunstprojekt eine Stärkung gewesen, sagte Schneider. Denn das Museum wäre durch das Projekt "komplett verwandelt" worden.

OB Link hatte die Absage nur gut fünf Wochen vor der geplanten Eröffnung im Rahmen der Ruhrtriennale mit der noch nicht verarbeiteten Loveparade-Katastrophe begründet. Duisburg sei "noch nicht reif" für ein Kunstwerk, dem Verwirrungs- und Paniksituationen immanent seien. Am 24. Juli 2010 waren bei einer Massenpanik auf dem engen Zugang zum Loveparade-Gelände in Duisburg 21 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte Menschen wurden verletzt.

Schneider sagte, an "schwierige Orte" wie Duisburg zu gehen, sei für ihn eine "künstlerische Herausforderung". Ein ähnliches begehbares Tunnelsystem habe er auch schon in Madrid gebaut - dort habe es keine Panikattacken von Besuchern gegeben. Für Duisburg hätten die geplanten Röhren einen größeren Durchmesser von 2,20 Metern gehabt. "Es sind Röhren und keine Tunnelunterführung", sagte Schneider. So habe er unter anderem geplant, die Besucher des Tunnelsystems durch einen im Museum wieder aufgebauten Raum eines Abbruchhauses aus dem Duisburger Stadtteil Bruckhausen zu führen und dann hinaus in den Park des Museums.

Ruhrtriennale-Intendant Goebbels unterstützt das Kunstwerk

Schneider dankte dem Ruhrtriennale-Intendanten Heiner Goebbels dafür, "dass er sich vor das Kunstwerk gestellt hat". Goebbels hatte die Verhinderung von "Totlast" als "Affront gegen die Freiheit der Kunst" kritisiert und der Stadt Duisburg Zensur vorgeworfen. Öffentlich sind die Pläne zu dem Kunstwerk spätestens seit Anfang April, als das Programm der diesjährigen Ruhrtriennale vorgestellt wurde.

Schneider, der an der Kunstakademie in München Professor ist, hatte 2001 den Goldenen Löwen der Biennale in Venedig gewonnen. Er ist bekannt für verstörende labyrinthartige Ein- und Umbauten. (dpa)

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