Künftiger DGB-Chef redete in Duisburg

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Tausende folgten auch an diesem 1. Mai wieder dem Aufruf des DGB zur Mai-Kundgebung im Duisburger Landschaftspark. Im Zentrum der Mai-Reden: Die Forderung nach weiteren Verbesserungen für Arbeitnehmer, die klare Absage an Rechte aller Art und Lob für die Große Koalition in Berlin.

Duisburg.. Tausende folgten auch an diesem 1. Mai wieder dem Aufruf des DGB zur Mai-Kundgebung im Duisburger Landschaftspark. Im Zentrum der Mai-Reden: Die Forderung nach weiteren Verbesserungen für Arbeitnehmer, die klare Absage an Rechte aller Art, der Aufruf, am 25. Mai zur Wahl zu gehen und damit die Demokratie vor Ort und in Europa zu stärken – und Lob für die Große Koalition in Berlin.

Die 10 000 Besucher der letzten Jahre werden die Organisatoren der Mai-Kundgebung auch in diesem Jahr wieder erreicht haben, auf das traditionell gute Wetter war wieder einmal Verlass. „Dafür zahlen wir jedes Jahr eine fünfstellige Summe“, scherzte Ulrich Rieger vom DGB Duisburg.

Auch viele Prominente folgten dem Mai-Aufruf: Oberbürgermeister Sören Link war im Landschaftspark, Alt-OB Josef Krings ist seit Jahrzehnten dabei, NRW-Innenminister Ralf Jäger kam nach Meiderich, ebenso Bundestags- und Landtagsabgeordnete sowie zahlreiche Kommunalpolitiker. Ebenfalls fast vollzählig dabei: Betriebs- und Personalräte aus Duisburger Betrieben und Behörden, Gewerkschafter und spätestens nach der Mittagszeit die Freunde guter Musik.

Den Anfang machte wie immer ein Demonstrationszug vom Hamborner Amtsgericht zum Festgelände, mit vielen – meist roten – Fahnen, mit Techno- Beat vom Truck der Gewerkschaftsjugend an der Spitze des Zuges und dem Steigermarsch des Spielmannszuges weiter hinten.

Mit Reiner Hoffmann hatte der DGB seinen kommenden Mann als Hauptredner eingeladen. In weniger Tagen soll der gebürtige Wuppertaler Bundesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes werden, und in Duisburg zeigte er schon einmal eines: Er kann reden.

Und loben. „In den letzten Monaten wurde einiges zustande gebracht“, sagte er mit Blick auf die Große Koalition aus Union und SPD in Berlin. Stärkung der Tarifautonomie, Rente mit 63, der von Gewerkschaftsseite seit Jahren geforderte Mindestlohn. All das seien „wichtige sozialpolitische Korrekturen“ und mehr als Wahlgeschenke. Auch wenn Hoffmann noch Kritik an Details übte, wie etwa an möglichen Ausnahmen vom Mindestlohn. Seine klare Ansage: „Würde kennt keine Ausnahme. Der Mindestlohn muss ohne Wenn und Aber für alle Arbeitsverhältnisse gelten.“

Ein „Skandal“ sei es nach wie vor, dass bei weitem nicht alle jungen Menschen einen Ausbildungsplatz finden. Den Arbeitgebern bot der designierte DGB-Chef an, eine „Allianz zu schmieden“ für ein ausreichendes Ausbildungsangebot.

Was Hoffmann aus Berlin noch fehlt, ist ein Ausbau der Rechte von Arbeitnehmervertretungen, etwa wenn es um Auslagerungen aus dem Betrieb geht: „Betriebsräte und Personalräte sind die Garanten für gute Arbeit.“ Und: „Es gibt noch viel zu viele betriebsratsfreie Zonen.“ Auch weil Arbeitgeber nach wie vor Druck ausübten, wenn Arbeitnehmer Betriebsräte gründen wollen. „Vollen Kündigungsschutz“ forderte Hoffmann für solche Fälle, vor allem in „Billiglohnbuden“.

Wie am Vortag bereits Sören Links beim städtischen Arbeitnehmerempfang im Duisburger Rathaus forderte auch der künftige DGB-Chef Investitionen in Infrastruktur und Bildung. Und ein klares Bekenntnis zur Industrie, auch im Zusammenhang mit der Energiewende. Die funktioniere „nur mit, nicht ohne die Industrie“. Die sichere Versorgung mit Energie werde noch „auf lange Zeit“ Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen erfordern.

Während die Großen noch große Politik behandelten, hatten die kleinen Mai-Teilnehmer längst ihre Schwerpunkte entdeckt. Fußball im Netzkäfig oder Kutschfahrten mit Plüschpony, Tiergesichterschminken am Zoo-Stand oder eine Malaktion der IG Metaller bei Thyssen-Krupp Steel: die bunten Konturen der eigenen Hand an eine Wand gemalt, den Namen drauf und das alles unter dem Motto „NRW nazifrei“. Groß und Klein waren wieder vereint, wenn’s um Mitfahren im Thyssen-Salonwagen hinter einer Werkslok ging. Nur für Große und ebenfalls eine Attraktion: der Motorsägenkurs bei der IG BAU.

 
 

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