Kritik an Gebag-Chefin entzündet heftige Personaldiskussion in Duisburg

Nach der Entmachtung der Gebag-Chefin hat sich ein Personalstreit über die üblichen Lagergrenzen der Parteien hinaus entfacht. Ihre Befürworter verweisen auf die Leistungen der letzten Jahre. Ihre Kritiker sehen sie schlicht als "unfähig".

Duisburg. Das Hundertmeister pleite, der Verkauf des Theaters am Marientor geplatzt, ein Küppersmühle-Kunstkubus für jetzt über 50 Mio €: Auf die Stadt und ihre Wohnungsbautochter Gebag kommen Riesen-Probleme zu.

Schuldzuweisung für gescheiterten Theater-Verkauf

Und auf Gebag-Chefin Marianne Wolf-Kröger. Denn kreuz und quer durch Frontlinien ist eine heftige Personaldiskussion entbrannt, die sich vor allem an der Gebag-Chefin Marianne Wolf-Kröger entzündet. Kritiker lasten es ihr an, dass der Verkauf des TaM aus dem Eigentum der Gebag-Tochter DBV an den sächsischen Investor Wosiga gescheitert ist, nachdem der jetzt erneut keine Finanzierung auf die Beine gestellt hat. Sie habe sich hinhalten lassen, sich zu wenig gekümmert, die Bonität nicht hinreichend geprüft.

Der Unmut gipfelte am Freitag in der einstimmig beschlossenen Forderung des DBV-Aufsichtsrates, Wolf-Kröger das TaM-Projekt zu entziehen. Es kam noch schärfer: Weil das Vertrauensverhältnis gestört ist und man ihre Fähigkeiten anzweifelt, so hieß es, wird die Gebag aufgefordert, Wolf-Kröger die DBV-Geschäftsführung zu entziehen. Nach WAZ-Informationen enthielten sich nur die beiden SPD-Rathaus-Beigeordneten und in der zweiten Abstimmung auch die CDU-Ratsvertreter. Dass Wolf-Kröger die Sitzung frühzeitig verließ, um zum nächsten Krisenherd Hundertmeister in den Kulturausschuss zu eilen, stieß ebenso auf Ärger.

Kritiker wollen Gebag-Chefin loswerden

Nur zu gerne würden die Wolf-Kröger-Kritiker sie auch bei der Gebag loswerden. Doch dort sitzt sie fest im Sattel. Belegbar daran, dass der Aufsichtsrat erst am Donnerstag die von ihr geforderte Gehaltserhöhung um 20 Prozent genehmigte, wenn auch mit Gegenstimmen. Wolf-Kröger hatte die Anhebung mit dem niedrigen Einstiegsgehalt vor zwei Jahren, als die Gewerkschaftssekretärin auf den Gebag-Chefsessel gewechselt war, und mit ihrer erfolgreichen Arbeit begründet. Es heißt, sie verdient immer noch weniger als der zweite, langjährige Gebag-Chef Dietmar Cremer.

An Wolf-Kröger scheiden sich die Geister: Für ihre Befürworter auch aus der Gebag-Belegschaft ist die resolute Ex-Verdi-Frau entschlossen und gradlinig und entrümpelt die Gebag auch von Altlasten, die ihr Stadt und Politik über Jahre aufgebürdet haben. Wolf-Kröger sei es zu verdanken, dass sich die Wohnungsbautochter aus ihrer eigenen finanziellen Schieflage befreit hat und dass sich das Küppersmühle-Museums-Abenteuer nicht zum Desaster entwickelte, indem sie die Finanzierung über die Kunst-Mäzen-Familie Ströher und Sponsor Evonik erst sicher stellte.

Personenstreit sprengt die üblichen politischen Farbenspiele

Kritiker fahren dagegen scharfes Geschütz auf: „Unfähig“ sei die Dame, „fassungslos“ sei man über ihre Geschäftsführung und kaufmännischen Kenntnisse. Erst im letzten DBV-Aufsichtsrat im Februar hatte man ihr den Wirtschaftsplan um die Ohren gehauen. „Blauäugig“ habe sie trotz aller Warnungen auf den TaM-Käufer gesetzt. „Es gab auch nur den einen“, kontert Wolf-Kröger. Zudem wird ihr vorgehalten, dass sie seltenst überhaupt an den DBV-Sitzungen teilnimmt.

Der Personenstreit sprengt die üblichen politischen Farbenspiele. Einer der erklärten Kritiker der Gebag-Chefin ist Sparkassen-Vorstand Hans-Werner Tomalak, der sich damit auch gegen seinen CDU-Parteifreund und Oberbürgermeister Adolf Sauerland stellt, der Wolf-Krögers Arbeit lobt und ihre Bestallung als Gebag-Chefin und „Aufräumerin“ 2009 maßgeblich mit in die Wege leitete. Auf der anderen Seite bläst SPD-Mitglied Wolf-Kröger aus ihren eigenen Parteireihen der Gegenwind mächtig ins Gesicht, der sie am besten aus dem Amt pusten soll.

 
 

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