Kriminologe nennt neuen Loveparade-Gutachter ungeeignet

Anfang April hatte das Landgericht Duisburg erklärt, dass es die Anklage im Loveparade-Strafverfahren nicht zulassen werde. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft Duisburg (auf dem Bild: Pressesprecherin Anna Christiana Weiler) nun ein neues Gutachten in Auftrag gegeben.
Anfang April hatte das Landgericht Duisburg erklärt, dass es die Anklage im Loveparade-Strafverfahren nicht zulassen werde. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft Duisburg (auf dem Bild: Pressesprecherin Anna Christiana Weiler) nun ein neues Gutachten in Auftrag gegeben.
Foto: imago/Reichwein
Bochumer Kriminologe Thomas Feltes kritisiert Staatsanwaltschaft bei Auswahl des Gutachters, der doch noch einen Loveparade-Prozess ermöglichen soll.

Duisburg/Bochum.. Gerade einen Tag ist es her, dass die Staatsanwaltschaft Duisburg den Wuppertaler Professor Jürgen Gerlach als neuen Gutachter im Loveparade-Verfahren vorgestellt hat - und schon gibt es Kritik, dass die Wahl auf den Experten für Verkehrssicherheit gefallen ist.

Der Bochumer Kriminologe und Polizeiwissenschaftler Thomas Feltes, der selbst einen Vater vertritt, dessen Tochter bei der Loveparade ums Leben kam, hält Gerlach aus fachlichen Gründen als Gutachter für ungeeignet, da dieser sich schwerpunktmäßig mit Straßenverkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik beschäftige, so Feltes.

Neuer Loveparade-Gutachter müsse auch Kommuniktionsprobleme untersuchen

Gerlachs Fachgebiet sei also technischer Natur, weshalb der Wissenschaftler wesentliche Aspekte wie Fragen der Kommunikation und Interaktion zwischen Veranstalter, Sicherheitsdiensten und der Polizei vor und während der Loveparade außer Acht lasse, kritisiert Feltes, „dabei seien diese für das spätere Schadensereignis von besonderer Relevanz“. Die bislang zum Unglück vorliegenden Erkenntnisse hätten gezeigt, dass diese für die Abstimmung, Abläufe, Handlungen und das Verhalten am 24. Juli 2010 von besonderer Bedeutung waren und dass es hier massive Fehler gegeben habe. Der jetzt bestellte Gutachter könne diese Fragen, „die nun unbedingt bearbeitet werden müssen, also nicht mit der notwendigen wissenschaftlichen Qualifikation bearbeiten“, so Feltes, der an der Juristischen Fakultät der Bochumer Ruhr-Uni Kriminologie und Polizeiwissenschaft lehrt.

Außerdem habe sich Gerlach - ähnlich wie der wegen Befangenheit abgelehnte Gutachter Keith Still - bereits im Vorfeld intensiv mit den Ereignissen der Loveparade befasst und dazu auch in Veranstaltungen Stellung bezogen. Feltes: „Es besteht auch bei ihm die Gefahr, dass er als Gutachter vom Gericht abgelehnt wird.“ (we)

 

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