Kleine Lichter in der Dunkelheit

Lütfiye Güzel.
Lütfiye Güzel.

Duisburg.. Es ist ein Buch, auf das man schon lange gewartet hat. Bereits 1999 erschienen anlässlich der Lesezeichen-Ausstellung die Gedichte der jungen Duisburgerin Lütfiye Güzel in der Stadtbibliothek. Doch die begabte Lyrikerin machte es spannend und überließ danach das literarische Feld in Duisburg anderen Autoren. Wie bereits zuvor, veröffentlichte Lütfiye Güzel ihre Gedichte nur in Szene- oder Studenten-Magazinen und erfreute damit einen eher kleinen Freundeskreis.

13 Jahre danach hat Tayfun Demir, ehemals Mitarbeiter der Bibliothek, ihre alten und neuen Gedichte in der Dialog Edition als Buch herausgegeben (91 Seiten, 10 Euro). Der viel versprechende Titel: „Herz-Terroristin“. Eine kostbare kleine Sammlung mit hintergründigen und fast ein wenig weisen sprachlichen Miniaturen aus dem grauen Alltag des persönlichen Lebens.

Lütfiye Güzel wurde 1971 in Marxloh geboren, studierte an der Universität Duisburg und arbeitet als Texterin. Wie sie versprochen hat, wird sie ihr neues Buch nicht nur am Prenzlauer Berg in Berlin vorstellen, sondern auch zu Lesungen in Duisburg einladen.

Gelassener Nervenzusammenbruch

„Ich bin eine träumerin, ich kann alles, & genau das ist der grund, für meinen gelassenen nervenzusammenbruch.“ Lütfiye Güzel hat einen klaren, illusionslosen Blick auf die Dinge, schöpft dabei ihre Kraft aus den Widersprüchen und kleinen Siegen. Sie gewinnt Freunde, die andere nicht schätzen. So wie in ihrem Gedicht „Füttern verboten“:

„die tauben der stadt, die man verjagt, weil sie wirklich, nicht wirklich schön sind, angefahren, humpelnd, & dreckig, ich mag sie“.

Die Autorin, die bereits in jungen Jahren in der scheinbaren Hoffnungslosigkeit der Geschichten und Gedichte von Charles Bukowski eine ansteckende Wärme entdeckte und die seine Lyrik über die Erfahrungen in den Verliererstraßen dieser Welt schätzt, hat sich dann auch dem „Gastarbeiter“ gewidmet: „Ein türke fegt zigarettenreste zusammen, hier am bahnhof, es gibt kalte asche zum frühstück, ich habe irgendwas gedacht, weiß aber nicht mehr was“.

Der nüchterne Blick dominiert

So geht es in diesen pointiert formulierten Gedichten niemals um die große Liebe oder um die Suche nach dem Glück, sondern es dominiert der nüchterne Blick: „Ich befürchte, dass auch die courage nur ein ableger der angst ist.“

Ein gelungenes Buch-Debüt mit Gedichten, die niemals aufgeben, in der Dunkelheit doch noch irgendwo ein kleines Licht zu entdecken.

Herausgeber Tayfun Demir will die Dialog Edition um eine kluge Stimme jenseits der gängigen Klischees und Migrationshintergrund-Literatur bereichern.

 
 

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