Klangkraft spielte märchenhaft

In der Liebfrauenkirche spielte Klangkraft das Konzert "Alles Märchen".
In der Liebfrauenkirche spielte Klangkraft das Konzert "Alles Märchen".
Foto: WAZ FotoPool
Klangkraft, das ehemalige Jugendorchester Duisburg, inszenierte sein Konzert „Alles Märchen“ in der Duisburger Liebfrauenkirche mit Licht und Wortakrobatik. Nur das Rotkäppchen sollte nicht aus dem Wolf rausgeholt werden.

Duisburg. Der Sichtbeton der Stirnwand ist schattig grün angestrahlt, die riesige Videowand zeigt wehende Ranken vor einer Felsspalte, selbst die Heiligenfiguren in den Nischen der Citykirche scheinen zu lauschen. Die Geigenbögen, Becken und Paukenschlegel fliegen. Unter dem temperamentvollen Dirigat von Tobias Füller tobt der alte Bergkönig durch seine Halle unter dem Berg. Die berühmten Klänge aus der Peer Gynt Suite eröffnen einen Konzertabend mit bewegender Märchenmusik von romantisch bis hochdramatisch.

„Klangkraft“, der neue Name des ehemaligen Jugendorchesters Duisburg, passt gut zur Musik der großen Gefühle. Peter Pans Feen tanzen, die Nussknacker marschieren, Prokofjews Jäger verfolgen den Wolf aus dem Wald. Das Orchester ist auch ohne Instrumente lange nicht am Ende seiner Möglichkeiten. Unter der Leitung der Geigerin Ute Steffens singt das Ensemble den Abendsegen aus Hänsel und Gretel.

Eine andere Ebene als die Musik

Zwischendurch gibt es Texte von Geschichtenerzähler und Wortakrobat Christian Hirdes. Der erklärt als entnervter Umweltschützer, warum er sich gegen eine Operation am offenen Wolf entschied und Rotkäppchen heute mal drin bleiben muss. Und dass bei „Peter und der Wolf“ die Ente auf alle Fälle draußen bleiben sollte. Hirdes ist ein hintersinniger Entzauberer und setzt Kontrapunkte zur Musik. In der Pause gibt es deshalb bei einem Becher dampfendem Märchenpunsch Diskussionen der Zuhörer, ob seine Moderationen die bezaubernden Klänge eher stören oder ergänzen. Manche würden lieber nur schwelgen und finden den komischen Poeten gewöhnungsbedürftig. Andere mögen seine schrägen Anmerkungen gerade deshalb, weil sie eine andere Ebene ansprechen als die Musik. „Für mich geht das bestens zusammen“, sagt Zuhörer Michael Könning, „wie wenn man zwischen zwei guten Weinen ein Stück Brot isst, zur Neutralisation des Geschmacks sozusagen“.

Zur zweiten Hälfte ruft das irisch anmutende Flötenmotiv aus der Suite zum Herrn der Ringe die Gefährten auf den Plan. Als lebendige Märchenprinzessin träumt Simone Rex in „Some day“ von Frank Churchill mit klarer Stimme von ihrem Märchenprinzen. Mit mysteriösem Glockenspiel und schwirrenden Geigen fliegt Harry Potter um sein Internat. Bilder im Kopf gibt es gratis dazu.

 
 

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