Klage gegen Inhaber der Duisburger Großdisco "Tentorium"

Annette Kalscheur
Im ehemaligen Delta Musik Park in Duisburg ist seit wenigen Wochen das "Tentorium" am Start.
Im ehemaligen Delta Musik Park in Duisburg ist seit wenigen Wochen das "Tentorium" am Start.
Foto: Jörg Schimmel / Funke Foto Services
Discotheken-Besitzer steht bei vielen in der Kreide. Die FunFactory muss er schließen, die Zukunft des "Tentorium" in Duisburg werden Gerichte klären.

Duisburg. „Insolventorium - Erwartet nichts großes!“ spottet ein ehemaliger Mitarbeiter auf seiner Facebook-Seite über die Duisburger Groß-Discothek "Tentorium". Von einer Insolvenz kann aber nicht die Rede sein, sagt Michael Viebahn. Der Clubmanager sieht sich als Opfer gefrusteter ehemaliger Mitarbeiter, die der Disco etwas anhängen möchten.

Ganz rund läuft es trotzdem nicht, im Neustart der Großdisco - ehemals Delta Musik Park - steckte von Anfang an der Wurm. Mehrfach wurde die Eröffnung verschoben, statt September wurde es schließlich November, bis das Bauordnungsamt nach Mängelbeseitigungen sein Ok gab.

Mitarbeiter nicht bezahlt

Als dann endlich die große Eröffnungsfeier stieg, war für manche Mitarbeiter gleich wieder Feierabend, weil sie nicht bezahlt wurden und noch am gleichen Abend ihren Job schmissen. Immerhin: Geld floss im Nachhinein.

Die Führungsriege hat aber auch außerhalb von Duisburg Probleme. Clubmanager Viebahn steckt in einem Insolvenzverfahren. Tentorium-Inhaber Rejhan Muric ist offenbar auch klamm: Weder das "Tentorium" noch die Disco Fun Factory in Wildeshausen hat er nach Informationen der Online-Zeitung „Die Hunte“ bezahlt. Einen Teil der Lichtanlage hat er angeblich in Wildeshausen ausbauen und nach Duisburg bringen lassen. Clubmanager Viebahn bezeichnet das als Lüge.

Hauptgläubiger Franz Ossenbeck, dem die meisten Anteile der Fun Factory gehören, bestätigt das aber. Es liege eine Räumungsklage gegen Muric vor. In Wildeshausen gehen am 12. Dezember die Lichter endgültig aus. Der ehemalige Eigner des Delta Musik Park, Hans-Bernd Pikkemaat, wartet ebenfalls auf sein Geld, ein erster Gerichtstermin platzte jetzt: „Ich unterstelle ihm keine böse Absicht. Muric hat die Situation vermutlich völlig falsch eingeschätzt“, erklärte er gegenüber der "Hunte". Um rund eine halbe Million Euro soll es gehen. Die Zeit der Großdiscos scheint vorbei. Muric selbst wollte sich nicht äußern. Die Fun Factory hatte er 2014, das Delta erst vor rund einem halben Jahr übernommen.

Nikolausparty steigt am Samstag

In Duisburg gibt man sich kämpferisch, plant Nikolaus- und Abiparty für das Wochenende. Clubmanager Viebahn ist sauer, dass sein Laden so „beschmissen“ wird. Er sagt: „Die Gäste-Zahlen steigen jede Woche, wir haben keine offenen Rechnungen, drinnen ist es total schön geworden, das Personal ist schick, die Gäste gepflegt.“

Dass die Eröffnung nicht rund lief, es Beschwerden über die Toilettenanlagen gab und den Einlass, das gesteht er ein. „Ich war halt wie Bob der Baumeister, hab mich nur noch um Brandschutz, Statik, Sicherheit gekümmert, das Ding war eine Ruine.“ Angeblich habe es zuletzt 2005 eine Abnahme der Zelte gegeben.

Früher hatten Gäste schlechte Zahlungsmoral

Früher zu Delta-Zeiten hätte es auch mal 17 Schlägereien an einem Abend gegeben, das will Viebahn auf keinen Fall: „Hier sollen vernünftige Leute rein, die Spaß haben.“ Um dieses Ziel zu erreichen, schicke er jeden Samstag 200 Leute an der Tür nach Hause.

Und noch etwas hat er geändert: Es gibt Prepaid-Karten, man bezahlt also und trinkt die Karte dann ab. Zu Delta-Zeiten hätten viele Kunden am Ende einer langen Nacht nur ihren Personalausweis gezeigt und Schuldscheine unterschrieben. Verlust: „30.000 Euro an einem Abend“, sagt Viebahn.

"Größte Disco Deutschlands"

Die Zeltdisco in Duisburg, laut Viebahn die größte in Deutschland mit bis zu 4800 Gästen Kapazität, hat hohe laufende Kosten. Allein der Strom über einen Generator soll angeblich 100 Euro die Stunde kosten.

Dazu kommen Disc-Jockeys, Theken- und Sicherheitspersonal. Bei 5 Euro Eintritt reichen ein paar hundert Gäste nicht, um die Kosten einzuspielen. Mehr Menschen verloren sich laut Beobachtern dort zuletzt aber nicht.