Kauft die Stadt Duisburg über die DVV das Stadion des MSV?

Ingo Blazejewski
Die Schauinsland-Reisen-Arena: Der MSV zahlt eine Miete von fünf Millionen Euro, die er sich eigentlich nicht leisten kann.
Die Schauinsland-Reisen-Arena: Der MSV zahlt eine Miete von fünf Millionen Euro, die er sich eigentlich nicht leisten kann.
Foto: Hans Blossey
Dem MSV Duisburg fehlen für die Zweitliga-Lizenz noch Millionen. Eines der Hauptprobleme: die hohe Stadionmiete von fünf Millionen Euro. Um den Verein längerfristig zu retten, soll bei der Stadt ein Erwerb über die hundertprozentige Stadttocher DVV bereits durchgerechnet worden sein. Das Thema ist jedoch politisch brisant.

Duisburg,. Das Dilemma des MSV Duisburg zum Ende einer jeden Saison ist bekannt: Für die Zweitliga-Lizenz fehlen noch Millionen. Geld muss her und zwar möglichst schnell. Bis zum 23. Mai muss der Verein die Bedingungen der Deutschen Fußball Liga (DFL) erfüllen. Eines der Hauptprobleme für die schwierige Finanzlage ist nach wie vor die hohe Stadionmiete von fünf Millionen Euro. MSV-Geschäftsführer Roland Kentsch forderte am Donnerstag auf der Jahreshauptversammlung eine langfristige Lösung. Nach NRZ-Informationen werden hinter den Kulissen verschiedene Szenarien durchgespielt. Eine Überlegung, zu der es bereits erste Gespräche gegeben haben soll: Die Duisburger Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft (DVV) kauft die MSV-Arena.

Indirekt würde die Kommune damit Eigentümer des Stadions: Die DVV, unter der die Stadtwerke und die Verkehrsbetriebe firmieren, ist eine hundertprozentige und zugleich die mächtigste Tochtergesellschaft der Stadt.

Stadt ist Erbpachtgeber

Das Szenario soll bereits durchkalkuliert und im kleinen Kreis diskutiert worden sein. Je nachdem wie man rechnet, soll der Deal offenbar für die DVV nicht zwangsweise ein Verlustgeschäft bedeuten, selbst wenn der MSV künftig deutlich weniger Miete zahlen würde. Zumindest nicht, wenn auch die Anteilseigner der Stadionprojekt GmbH mitspielen und Einbußen hinnehmen würden.

Fraglich ist dabei nicht nur der Preis. Der tatsächliche Wert der Arena bemisst sich nicht allein nach Baukosten und Restschuld, sondern hängt vor allem von der Refinanzierungschance ab. Basis jeglicher Kalkulation ist ein Verein als einziger Arena-Nutzer, bei dem am Ende jeder Spielrunde neben der Lizenz-Verweigerung auch der Weg zum Insolvenzverwalter möglich erscheint. Verabschiedet sich der MSV aus dem Profi-Fußball, ist die Arena ohne Nutzungsaussichten quasi wertlos.

Pleite würde Kettenreaktion auslösen

So führt die Situation die Geldgeber und Eigner vielmehr zu einer Frage der Abwägung: Rutscht der MSV in die Pleite oder in tiefere Ligen, droht eine Kettenreaktion. Die Arena steht leer, den Stadion-Eignern, Banken und Kreditgebern – auch städtischen – droht der Totalverlust, im Zweifel könnte der Bau sogar an die Stadt als Erbpachtgeber des Grundstücks zurückfallen, die Kommune müsste dann ohnehin für die Unterhaltung aufkommen. Die öffentliche Hand wäre auch auf anderer Ebene betroffen: Das Land NRW hat beim Stadion-Ausbau eine Ausfallbürgschaft über 80 Prozent der langfristigen Kredite übernommen.

Der Deal ist aber vor allem politisch hochbrisant: Greift die DVV als verlängerter Arm der Stadt dem MSV unter die Arme, stellt sich automatisch die Frage, warum Bürger mit ihren Steuergeldern den Profi-Fußball subventionieren sollen. Erst Ende 2012 musste die Stadt stolze 20 Mio Euro in die Restrukturierung der Stadtwerke pumpen und weitere 10 Mio Euro Verlust des DVV-Gesamtkonzerns auffangen. Bei einem Stadionkauf könnten sich zudem nicht nur Stromkunden fragen, warum sie den Duisburger Bundesliga-Fußball mitfinanzieren. Auch die 1500 Stadtwerke-Mitarbeiter würden sich wundern, warum ihr Unternehmen erst 100 Stellen abbauen muss und dann wenige Monate später ein Fußballstadion kauft.

Für den Kauf wäre vermutlich ein Beschluss des Gesellschafters der DVV nötig, sprich:

Stadt beim MSV Duisburg stärker engagiert als bekannt 

Der Rat der Stadt müsste zustimmen. Angesichts der bevorstehenden Bundestags- und Kommunal-Wahlen in diesem und dem nächsten Jahr ist fraglich, wie die Parteien zu einer solchen Frage stehen. Bereits Ende 2012 erklärte OB Sören Link gegenüber der NRZ, er würde dem MSV helfen, wenn er könne, allerdings nicht mit städtischem Geld, das wäre wegen der Haushaltslage unmöglich. Zu der Frage, ob er inzwischen seine Meinung geändert habe, oder sich als DVV-Aufsichtsratschef einen derartigen finanziellen Einstieg des Konzerns vorstellen könnte, ließ Sören Link nur ausrichten: „Kein Kommentar“.

Und auch bei der DVV hält man sich zurück: „Wenn ein solches Vorhaben von unseren Gesellschaftern gewünscht wäre, müsste der Aufsichtsrat das Thema aufgreifen“, sagt DVV-Konzernsprecher Torsten Hiermann. Weder beschäftige sich der Aufsichtsrat derzeit damit, noch gebe es entsprechenden Planungen.

Darlehen von Stadttöchtern

Andererseits ist die Stadt mit ihren Tochtergesellschaften bereits viel stärker beim MSV engagiert als gemeinhin bekannt: Nicht nur durch Zuschüsse beim Stadionbau oder mit der Miete von Logen und Sponsorverträgen, sondern auch mit direkten Finanzhilfen. Auf mehr als eine Million Euro sollen sich alleine die Tilgungsbeträge von Darlehen der Stadtwerke und der Wirtschaftsbetriebe für zwei Spielzeiten summieren, die jetzt gestundet werden sollen.

Der MSV würde seine anwachsenden Verbindlichkeiten damit immer weiter auf die nächsten Spielzeiten schieben. Offenbar will die Stadionprojekt GmbH dem MSV erneut zwei Millionen Euro Miete stunden, im Laufe der neuen Saison werden zudem Darlehen fällig, die den MSV erst in der Winterpause vor der Pleite bewahrt haben. Wie Gebag-Sanierer Utz Brömmekamp auf der Jahreshauptversammlung schon sagte: „Der MSV ist ein kritischer Sanierungsfall.“ Ganz abgesehen davon, wem künftig das Stadion gehört.