Kauf von neuen Straßenbahnen für die DVG in Duisburg ist geplatzt

Ingo Blazejewski
Die Linie U79 zwischen Düsseldorf und Duisburg.
Die Linie U79 zwischen Düsseldorf und Duisburg.
Foto: WAZ FotoPool
Eigentlich sollte die Fahrzeugflotte der DVG komplett ausgetauscht werden. Doch jetzt hat die Stadt den Neukauf der Komfortwagen aus dem Förderantrag gestrichen. Zudem fehlt weiterhin das Geld für die Zugsicherung - und ohne die darf ab 2024 keine Bahn mehr fahren.

Duisburg. Nach dem Tauziehen um die Finanzierung der notwendigen Zugsicherungstechnik folgt die nächste Hiobsbotschaft für Fahrgäste der Duisburger Straßenbahnen: Der geplante Neukauf von modernen Komfortwagen ist geplatzt, die Pläne vorerst auf Eis gelegt. Wie die Stadt auf Nachfrage der NRZ bestätigte, hat sie den Förderantrag für die Zugsicherung „modifiziert“: Der Kauf neuer Straßenbahnen ist daraus gestrichen.

Dieser Schritt kann weitreichende Folgen haben. „Ab dem kommenden Jahr gibt es für die Fahrzeuge keine Förderung mehr. Es wäre die letzte Chance gewesen“, sagt Frank Heidenreich, CDU-Ratsherr und Vize-Vorsitzender im Präsidium des VRR-Verwaltungsrates.

Komplettaustausch der Duisburger Straßenbahnen einzig sinnvoller Weg

Das Dilemma, das daraus entsteht und längst auch Verkehrsbetriebe in anderen Städten plagt: Der Erhalt und die Reparatur der alten Fahrzeuge ist häufig kostspieliger als der Kauf neuer Bahnen. Und eigentlich war man sich auch in Duisburg längst einig: Der Komplettaustausch der Straßenbahnflotte sei betriebswirtschaftlich und verkehrlich der sinnvollste Weg. Denn ab 2020 würden Ersatzteile fehlen, die Instandhaltung der 45 alten „N-Wagen“ immer teurer.

Dagegen könnten neue, breitere, komfortablere und einheitliche Bahnen auch mehr Fahrgäste auf die Schiene locken. Bereits heute befördert die DVG mehr als die Hälfte aller Fahrgäste auf den Linien U79, 901 und 903; Bahnen sind zeitweise überfüllt, Strecken überlastet. Der Flottenaustausch müsste aber jetzt angekurbelt werden, denn er dauert Jahre: Die 120 Mio Euro teuren Bahnen müssen ausgeschrieben, beauftragt und erst gebaut werden. Und: Bis 2024 muss in den Bahnen ohnehin die Technik für die neue Zugsicherung eingebaut sein, die 4 Mio Euro teure Nachrüstung der alten Wagen könnte man sich sparen.

Infrastruktur muss in vielen Kommunen überarbeitet werden, so der VRR

Doch selbst mit der Zugsicherung sieht es derzeit mehr als düster aus: Wo die 36 Millionen Euro herkommen sollen, um sich in wenigen Wochen an die Ausschreibung mit Düsseldorf dranzuhängen, bleibt weiter unklar. Zwar stehen die Zahlen im neuen Haushalt, die Fördermittel seien aber nur „Schätzkosten, um überhaupt Handlungsfähigkeit zu erzeugen“, gibt die Stadt auf NRZ-Nachfrage zu. Der VRR entscheidet in zwei Wochen über die Förderung, doch schon jetzt ist klar: Im Topf sind lediglich 60 Millionen Euro, die längst verplant sind.

Zudem ist Duisburg nicht die einzige Stadt, in der die Not groß ist. „Allein in die Infrastruktur der U- und Straßenbahnen müssen die Verkehrsunternehmen und Kommunen in NRW bis 2016 mehr als eine Milliarde Euro investieren“, sagte VRR-Vorstand Klaus Vorgang. Doch die Töpfe sind leer. „Nur wenn sich diese Einsicht bis zu den politischen Entscheidungsträgern auf Bundesebene durchsetzt, kann der öffentliche Nahverkehr langfristig bestehen“, appelliert Vorgang in Richtung Berlin.

Nach 2024 darf ohne Zugsicherung keine Bahn mehr fahren

Die Untergangsstimmung endet in Duisburg mit einer konkreten Frist: Ist die neue Zugsicherung nicht bis 2024 installiert, stehen die Bahnen still. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung“, heißt es weiterhin aus dem Rathaus.

Dass diese Lösung so aussehen wird, dass der Duisburger Umbau nur als Option in der Düsseldorfer Ausschreibung auftaucht, hat allerdings auch einen Haken. Denn auch dafür muss die Finanzierung zwingend gesichert sein, wie die Stadt der NRZ bestätigt: „Wird vorsätzlich davon abgewichen, drohen Bußgelder sowie Regresszahlungen.“