Kandidatensuche für Presbyter-Amt wird schwieriger

In 13 von 15 Gemeinden wird gewählt. Die Wahlbeteiligung bewegt sich seit Jahren auf niedrigem Niveau.
In 13 von 15 Gemeinden wird gewählt. Die Wahlbeteiligung bewegt sich seit Jahren auf niedrigem Niveau.
Foto: Fabian Strauch
Am 14. Februar werden in 13 von 15 Gemeinde neue Presbyterien gewählt. 192 Frauen und Männertreten an. In einem Fall gibt’s gerade so viele Freiwillige wie Plätze

Duisburg. Im Februar werden in 13 von 15 evangelischen Gemeinden neue Presbyterien gewählt. Die Laien-Gremien entscheiden konkret mit, welche Schwerpunkte in der Gemeinde-Arbeit vor Ort gesetzt werden. Sie haben aber auch die verantwortungsvolle Aufgabe, sich etwa um den Zustand der Gebäude, das Personal und die Finanzen zu kümmern. Eine Übersicht.

Warum wird überhaupt ein Presbyterium gewählt?

„Die evangelische Kirche baut sich von unten, von der Gemeinde her auf. Die Leitung auf allen Ebenen – Gemeinde, Kirchenkreis, Landeskirche – geschieht in Gemeinschaft“, erklärt Rolf Schotsch, Sprecher des evangelischen Kirchenkreises. Ein weiteres Markenzeichen sei die besondere Kultur des Zuhörens und der gegenseitigen Anerkennung. Im Presbyterium kommen die unterschiedlichsten Sichtweisen und Argumente zur Sprache. Auf dieser Grundlage werden dann auch schwierige Entscheidungen zur Zukunft der Gemeinde gemeinschaftlich getroffen und getragen.

Wer kann Presbyter werden?

Wer kandidiert, muss der Kirchengemeinde angehören, in der sie oder er gewählt werden möchte. Die Bewerber müssen mindestens 18 Jahre alt sein, aber nicht älter als 75 Jahre. Ein Wahlkampf wird nicht geführt, aber die Kandidaten stellen sich beispielsweise in Veranstaltungen oder im Gemeindebrief den Mitgliedern vor.

Ist es leicht, Kandidaten zu finden?

Vor den Wahlen wird in den jeweiligen Gemeinden Werbung für das Ehrenamt gemacht. „Einige machen Aushänge, weisen in Veranstaltungen darauf hin. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass andere Presbyteriumsmitglieder oder der Pfarrer engagierte Gemeindemitglieder direkt anspricht“, weiß Schotsch. In der Tat sei es aber schwieriger geworden, Kandidaten zu finden. „Trotzdem gibt es nur in einer Gemeinde genauso viele Kandidaten wie Plätze, deshalb wird dort nicht gewählt. In allen anderen gibt es mehr Kandidaten und eine Wahl findet statt.“

Wer stellt sich zur Wahl?

Am 14. Februar kandidieren 100 Frauen und 92 Männer. Zehn sind zwischen 18 und 29 Jahren alt, 17 sind in der Altersklasse zwischen 30 und 39 Jahren, 42 in der Altersklasse zwischen 40 und 49 Jahren, 71 in der Altersklasse zwischen 50 und 59 Jahren und 52 in der Altersklasse zwischen 60 und 74 Jahren. Im Presbyterium finden sich sowohl Rentner als auch Hausfrauen, Auszubildende, Ingenieure, Stadtplaner, Polizisten oder verschiedene Kaufleute wieder. „Allen Kandidaten gemein ist der christliche Glaube, der sie zur Kirche führt, und der Wille, Kirche mitzugestalten“, so Schotsch.

Wie viele Gemeindeglieder gehen überhaupt zur Wahl?

2012 zählte die evangelische Kirche in Duisburg 57.000 wahlberechtigten Mitglieder. Davon machten aber nur 4283 von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Die Wahlbeteiligung lag somit bei 7,51 Prozent – und war um 0,65 Prozent niedriger als bei der Wahl 2008 Prozent. Damals gaben 8,16 Prozent ihre Stimme ab. Die stärkste Wahlbeteiligung hatte mit 10,65 Prozent die Gemeinde Großenbaum-Rahm, die niedrigste Wahlbeteiligung verzeichnete die Gemeiwnde Hochfeld mit 5,53 Prowzent.

Die Wahlbeteiligung ist über die Jahre kontinuierlich gesunken. „Allerdings war die Wahlbeteiligung in früheren Jahrzehnten nicht unbedingt höher“, hat Schotsch recherchiert. Die durchschnittliche Wahlbeteiligung lag in den Gemeinden des damaligen Kirchenkreises Duisburg-Süd 1988 bei 9,16 %, 1968 bei 9 %; in denen des damaligen Kirchenkreises Nord machte sie 9,4 % und vor 44 Jahren 9,7 % aus. Deutliche Verschiebungen gibt es jedoch in Bezug auf die Zusammensetzung der Presbyterien: 1972 etwa wurde es als Erfolg gefeiert, dass 25 Prozent der Presbyteriumsmitglieder Frauen waren; nach der Wahl 2012 trafen 91 gewählte Frauen und nur 68 gewählte Männer Entscheidungen in den Presbyterien.

Jörg Hoffmann ist seit 41 Jahren im Amt 

Jörg Hoffmann gehört zu den altgedienten Presbytern in der Gemeinde Alt-Duisburg. Seit 41 Jahren ist er im Amt, wurde damals vom Neuenkamper Pfarrer Eggebrecht angesprochen, ob er kandidieren wolle. „Die Familie meiner Frau ist kirchlich orientiert, deshalb hatte ich schon immer einen Bezug zur Gemeinde. Der Glaube ist ein wichtiger Bezugspunkt in meinem Leben“, erklärt der 71-Jährige, der früher zunächst als Lehrer für Deutsch und Geschichte arbeitete und später in der Schulaufsichtsbehörde saß. Relativ schnell wurde Hoffmann auch Delegierter für die Kreissynode, interessierte sich fortan dafür, was hinter den Kulissen der Kirche passierte. „Anfangs war ich natürlich unbeleckt“, erinnert er sich.

Die Arbeit macht ihm auch nach all den Jahren noch Spaß. Die Aufgaben werden immer schwieriger zu lösen. „Sollte ich gewählt werden, wird es eine schwierige Amtszeit. Es geht auch darum, den Rückgang der Gemeindeglieder-Zahlen zu stoppen.“ Dieser ist schließlich auch dafür verantwortlich, dass sich die Kirche immer öfter von Gebäuden trennen muss. In der Gemeinde Alt-Duisburg grübelt das Presbyterium seit geraumer Zeit, wie es die Sanierung des Salvator-Turms und der Marienkirche stemmen kann. Darüber zu entscheiden, ist verantwortungsvolle Aufgabe der Presbyter. „Da macht man sich schon seine Gedanken, das lässt einen manchmal auch nach der Sitzung nicht los“, gibt Hoffmann zu. Er würde sich freuen, noch einmal vier Jahre weiter machen zu können. Es wäre die letzte Amtszeit. Mit 75 ist nämlich Schluss mit dem Ehrenamt.

Miriam Gerlach engagiert sich für die Jugend 

Miriam Gerlach war 18 Jahre alt – und somit die jüngste Kandidatin, als sie sich 2012 zum ersten Mal für das Presbyterium in der Trinitatis-Gemeinde aufstellen ließ. „Ich war schon immer der Kirche verbunden, habe als Kind im Chor gesungen, bin jetzt im Gospelchor und habe mich in der Jugendarbeit eingebracht“, erzählt die heute 22-Jährige. Pfarrer Dirk Sawatzki fragte, ob sie Lust habe, sich auch im Presbyterium für die Jugendlichen engagieren. Sie sagte ja – und wurde gewählt. Seitdem versuchte sie, mehr Angebote auf die Beine zu stellen, damit die Jugendlichen sich wieder verstärkt der Kirche zuwenden. „Das ist gar nicht so einfach“, weiß sie. Bei vielen spiele der Glaube keine große Rolle mehr im Leben. Dabei hilft dieser ihr durchaus, bei den aktuellen Weltnachrichten nicht zu verzweifeln.

Bei den Aufgaben, die auf sie als Presbyterin zukamen, halfen ihr die erfahrenen Kollegen. „Die kennen mich ja alle schon seit Jahren aus der Gemeindearbeit. Früher habe ich mir über den Haushaltsplan der Gemeinde keine Gedanken gemacht“, erzählt Miriam Gerlach. In den Sitzungen wird viel diskutiert. Die Wedauerin hält sich dann eher zurück. „Es muss ja nicht zum fünften Mal das Gleiche gesagt werden.“

Eine ihrer wichtigsten Aufgaben war es, in der Auswahlkommission für die Besetzung der neuen Stelle im Jugendzentrum an der Arlberger Straße zu sitzen. „Dem Presbyterium war wichtig, dass jemand Junges dabei ist. Das war interessant.“ Und weil es immer noch genug zu tun gibt, um junge Leute wieder für die Kirchenarbeit zu gewinnen, kandidiert sie für eine zweite Amtszeit.

 
 

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