Kabarett am Minarett

Thomas Becker
Unter dem Motto  „Kabarett am Minarett" trat der Kabarettist Jürgen Becker mit den  vier türkisch-stämmigen Künstlern Alparslan Marx, Meltem Kaptan, Özgür Cebe und Senay Duzcu auf. Foto : Fabian Strauch / WAZ FotoPool
Unter dem Motto „Kabarett am Minarett" trat der Kabarettist Jürgen Becker mit den vier türkisch-stämmigen Künstlern Alparslan Marx, Meltem Kaptan, Özgür Cebe und Senay Duzcu auf. Foto : Fabian Strauch / WAZ FotoPool
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Duisburg. „Als Rheinländer bin ich ja auch kein richtiger Deutscher.“ Dieses weiß Mitternachtsspitzen-Chef Jürgen Becker genau, der jetzt seine Kölsche Stunksitzungs-Heiterkeit erstmals in einer Moschee präsentierte. Unter dem schönen Titel „Kabarett am Minarett“ brachte der beliebte Kabarettist und Rheinland-Kenner vier türkisch-stämmige Comedy-Profis mit. Das Publikum in der ausverkauften Marxloher Ditib-Moschee erlebte einen unterhaltsamen Abend zwischen Abendland und Morgenland. Eine gelungene Premiere, die Zehra Yilmaz als Leiterin der Begegnungsstätte ermöglicht hatte.

„Was dürfen wir hier und was dürfen wir nicht?“ Diese Frage stellte Jürgen Becker vorweg, um dann ein wenig zu bedauern, dass an diesem Ort ein altes Gebot nicht gilt: „Das Wichtigste am Kabarett ist das Bier hinterher.“ Ein Verlust, der aber den Kunstgenuss und die heiter-hintersinnigen Beiträge zum Thema „Integration“ nicht schmälerte. Moderator Jürgen Becker gab allerdings zu, häufiger in katholischen Einrichtungen zu Gast zu sein: „Beim Geburtstag des Erzbistums Essen waren mehr Frauen mit Kopftuch da als hier. Es waren aber Nonnen.“ Seine Kollegin Meltem Kaptan vom Funkhaus Europa des WDR wurde von ihm gefragt, ob „der Muslim katholisch oder evangelisch ist“. Die temperamentvolle Comedy-Künstlerin blieb die Antwort schuldig, erteilte Jürgen Becker aber immerhin eine Lektion im Bauchtanzen.

Zu den Gästen der deutsch-türkischen Show gehörte auch der in Köln als „Integrator“ bekannte Bauunternehmer Alpaslan Marx, der über eine beeindruckende Biografie verfügt: „Ich kam als Türke und war bald schon ein Ausländer, dann ein Deutscher mit Migrationshintergrund. Jetzt bin ich ein richtiger Deutscher mit Migrationsgeschichte.“ Aber Alpaslan Marx weiß auch, warum alle Türken einen Grill im Auto haben. „Damit sie bei einem Unfall nicht verhungern müssen.“

Finales Mitsingen

Die junge Comedy-Künstlerin Senay Duzur aus Duisburg machte deutlich, was es heißt, Deutsche mit Migrationshintergrund zu sein: „Ich komme zu spät zur Arbeit und mache pünktlich Feierabend.“ Özgür Cebe, aus dem Theater an der Ruhr und aus der Lindenstraße bekannt, gab zum Schluss noch einen sehr persönlichen Einblick in deutsch-türkische Verhaltensweisen und lud mit einem Lied zum finalen Mitsingen ein.

Eine Veranstaltung zum Thema „Integration“, die in dieser Form und an diesem Ort noch häufiger stattfinden sollte. Viel Beifall für Jürgen Becker und seine Freunde.