„Kabarett am Minarett“ für mehr Respekt und Toleranz

Sabine Merkelt-Rahm
Kabarettist Jürgen Becker in der Ditib-Moschee in Marxloh.
Kabarettist Jürgen Becker in der Ditib-Moschee in Marxloh.
Foto: WAZ FotoPool
Bei „Kabarett am Minarett“ sollen die Fronten zwischen verschiedenen Religionen und Kulturen aufgeweicht werden. Kabarettisten witzeln in der Marxloher Merkez-Moschee über Türken, Deutsche, deren Religion und Kultur. Das Motto: Wer sich gegenseitig respektiert, darf auch übereinander lachen.

Duisburg. „Man muss einander respektieren und sich gegenseitig kräftig verarschen“, so hatte Jürgen Becker bei seinem letzten Besuch in der Merkez-Moschee in Marxloh die Grundidee von „Kabarett am Minarett“ zusammengefasst. Nun kam er zum dritten Mal und brachte gefühlt den halben WDR mit.

Zur Fernsehaufzeichnung eines Specials der Reihe „Baustelle Deutschland“ begrüßte er sein Publikum am Dienstagabend „in einer der größten Städte des Orients – Duisburg“. Die Begegnungsstätte unter dem Gebetsraum an der Warbruckstraße war tatsächlich orientalisch warm, der vielen Scheinwerfer wegen. Becker, der auf Grund seiner Domerfahrung glaubt, dass sich der Bau der großen Kölner Moschee noch 600 Jahre hinziehen könnte, zeigte sich froh über die aufgeschlossene Gastfreundschaft der Duisburger Moschee.

In seinen Nummern kommen alle zu Wort

Er vermisste allerdings einen Bus mit Gästen aus Köln und seine Mutter, die alle wegen der Duisburger Bombenentschärfung kurz vor dem Ziel im Stau steckengeblieben waren. In der Wartezeit brachten die Kabarettisten Murat Topal, Meltem Kaptan und Özgür Cebe das Publikum schon mal auf Betriebstemperatur.

Topal arbeitete früher als Polizist in Kreuzberg, hat aber einen Neuköllner Migrationshintergrund. In seinen Nummern kommen alle zu Wort, die man im heimischen Kiez so trifft – vom berlinernden Taxifahrer bis zum aufgebrachten Neonazi, der nur von einem deutschen Beamten verhaftet werden will.

Licht- und Schattenseiten der Religion

Über unterschiedliche Erwartungen sprach Cebe: „Wenn deutsche Jungs einen alten Mann mit weißem Bart reinkommen sehen, denken sie: Oh toll, ich kriege eine Bescherung. Türkische denken: Oh je, ich kriege eine Beschneidung.“ Meltem Kaptan glaubt nicht, dass sich deutsche Nikolausbräuche in türkischen Familien durchsetzen werden. Die türkischen Süßigkeiten sind einfach zu klebrig, um sie in den Schuhen zu verstecken.

In zwei Talkrunden diskutierte Becker mit der Leiterin der Begegnungsstätte Zehra Yilmaz, der jüdischen Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras und dem Arzt und katholischen Theologen Manfred Lütz über die Licht- und Schattenseiten von Religion. Die lockere Atmosphäre schloss auch tiefer gehende Fragen nicht aus.

"Religionen sind ein bisschen renovierungsbedürftig"

Becker fragte, ob es denn auch Stellen im Islam gebe, die auf einen größeren Witz hindeuten würden. „Wir Muslime arbeiten noch an unserem humorvollen Umgang mit der Religion, da können wir von den Juden lernen“, sagte Zehra Yilmaz dazu. „Ich denke, alle unsere Religionen sind inzwischen ein bisschen renovierungsbedürftig“, gab Adriana Altaras zurück. Leider waren im Publikum die Deutschen fast unter sich.