Jugendliche verwirklichen Ideen

Hochfeld..  Wild baumelt der grün und rot angemalte Papagei an dem dicken Ast der Platane im Böninger-Park – in Hochfeld bläst ein kräftiger Wind zwischen Sträuchern und Bäumen. „Du musst mit dem Seil einen vernünftigen Knoten machen“, rät Joel (11), während Helfer Siyabend versucht, den lebensgroßen Pfau an einen anderen Baum zu befestigen. Joel ist eines von 16 Kindern, die Origami-Vögel in der Alten Feuerwache basteln und diese anschließend in den Park bringen, um sie „fliegen“ zu lassen. Nicht umsonst nennt sich die Aktion „Freiflieger“. Die drei „Ruhrstadtträumerinnen“ Liz Demir (17), Josephine Kennedy (20) und Clara Neff (18) haben das Projekt geplant und umgesetzt.

Wetterfest aus Milchkartons

„Wir wollten etwas für den Stadtteil machen – eine kostenfreie Aktion für die Kinder hier anbieten“, sagt die kunstinteressierte Josephine Kennedy. Bevor die Acht- bis Zwölfjährigen aus der Hochfelder Nachbarschaft allerdings Kraniche und Krähen falten und bemalen, mussten diese erst einmal davon erfahren. „Wir haben Flyer in nahen Schulen und Gymnasien verteilt“, erklärt Liz Demir die Öffentlichkeitsarbeit und ergänzt: „Zuerst mussten wir selbst lernen, wie man die Origami-Vögel faltet.“

16 Jungen und Mädchen, überwiegend aus der Grundschule Friedenstraße, sitzen in der Alten Feuerwache bei Waffeln und Wasser und perfektionieren Blatt für Blatt ihre selbstgefalteten Vögel. Für die großen Flieger bilden die Kinder vier Gruppen und schneiden zunächst Milchkartons zurecht, damit die Papptiere auch bei schlechtem Wetter nicht komplett verwelken. Oxana (12) fragt Clara Neff vorsichtig: „Wie faltet man das jetzt nochmal richtig?“ Souverän zeigt Clara ihr die Falt-Schritte. „Das ist unser erstes Projekt, dass wir mit Kindern machen. Es fühlt sich zwar ab und zu chaotisch an, aber es macht viel Spaß und die Kinder sind motiviert dabei.“ So verwundert es auch nicht, dass nach einigen Minuten ein Pfau, ein Schwan und zwei Papageien von den kleinen Künstlern fertig gefaltet sind. Die Gruppen beraten sich, welche Farben sie verwenden sollen, „damit es nachher richtig schön bunt im Park ist“, wünscht sich Oxana. Der Boden der Alten Feuerwache ist komplett ausgelegt mit Folie, darauf sind die Origami-Vögel und genug bunte Acrylfarbe. Hier schreckt niemand vor dreckigen Händen zurück. Die Farbe spritzt herum und hinterlässt rote und blaue Kleckse auf der Folie.

Spontane Jamsessions

Ein paar Meter weiter, im Zentrum „Syntopia“ treffen sich Alina Brücker und Leon Nüßner von der Gruppe „Togather“, ebenfalls ein Teil des Projekts „Ruhrstadtträumer.“ Sie wollen einen Treffpunkt etablieren, an dem sich Jugendliche locker auf Englisch unterhalten können. Außerdem wollen sie spontane Jamsessions anbieten. „Wir haben zu Hause immer zusammen musiziert, das möchte ich auch mit anderen Jugendlichen machen“, erklärt Alina Brücker ihre Motivation, so ein Projekt auf die Beine zu stellen. Leon Nüßner ergänzt: „Englisch ist eine wichtige Sprache, aber eigentlich unterhält man sich nur im Unterricht auf Englisch.“ Zur Not steht ein Wörterbuch bereit, um ein paar Vokabeln nachschlagen zu können. Themenvorgaben wollen die Organisatoren nicht machen.

Künftig müssen sich die Angebote noch herumsprechen. Doch die „Ruhrstadtträumer“ geben nicht auf. Einen weiteren Termin soll es nach den Herbstferien geben.

 
 

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