Jubelstürme für Ferede und Dunaev

Jules Massenets „Werther“ gehört zu den klassischen Werken des Repertoires, doch bis zu seiner szenischen Duisburger Erstaufführung brauchte die Opernversion von Goethes Briefroman sage und schreibe 122 Jahre. Am Samstag war die umjubelte Premiere im Theater der Stadt zu erleben.

Regisseur Joan Anton Rechi hat eine schlüssige Inszenierung in den optisch starken Bühnenbildern von Alfons Flores geschaffen. Die Personenregie gefällt vor allem mit der Genauigkeit, mit der die Figuren gezeichnet werden. Hier glaubt man der Charlotte, dass sie nicht weiß, ob sie sich für ihre Liebe für Werther oder die Pflicht gegenüber ihrem Ehemann Albert entscheiden soll.

Traumhaft schöne Bilder

Die Tatsache, dass Rechi die ersten drei Akte als die Erinnerung des schon tödlich verwundeten Werthers erzählt, ist weder besonders erhellend, noch stört diese Idee. Sehr gelungen ist es, dass Albert sein Gewehr an Werther mit der Absicht verleiht, dass dieser mit der Waffe Selbstmord begehen kann. Albert rächt sich so an dem Nebenbuhler und bestraft Charlotte gleichzeitig für ihre Liebe zu Werther.

Der Bühnenraum von Alfons Flores bekommt durch die Verbindung von Architektur und Natur in Form eines entlaubten Birkenwäldchens eine surrealistische Schönheit. Die Beleuchtung von Volker Weinhart schafft immer wieder traumhafte Bilder, die mit ihrer starken Farbgebung in Rot, Grün und Blau beeindrucken. In den Hauptpartien ist eine komplett andere Besetzung als in Düsseldorf zu erleben, wo die Inszenierung bereits im März Premiere hatte: Andrej Dunaev singt seine lyrischen Passagen in einem zarten und sicheren Piano. Die helle Farbe seines Tenors gefällt sowieso, doch wenn er sich dann in schwärmerischer Begeisterung in eine strahlende Höhe emporschwingt, ist das Publikum begeistert.

Mezzo klingt warm und lyrisch

Beim achtminütigen Schlussbeifall der begeisterten Zuschauer wird er ebenso wie Sarah Ferede, welche die Charlotte singt, mit wahren Jubelstürmen bedacht. Ihr Mezzo klingt warm und lyrisch. Die Leidenschaft ihrer Rolle entwickelt sie aber mit einer großen Dramatik, so dass man ihr auch eine große Karriere im Verdi- und Wagner-Fach vorhersagen kann. Ein starkes Rollenporträt bietet der junge Richard Sveda mit seinem ausgereiften und voluminösen Bariton. Mit quirlig-frischem Sopran glänzt Elena Sancho Pereg als Charlottes kleine Schwester Sophie, Günes Gürle singt den Bailli mit warmen Bass. Bruce Rankin und Bruno Balmelli werten die beiden trinkfreudigen Nebenrollen Schmidt und Bühlmann sowohl darstellerisch als auch sängerisch auf.

Getragen werden die Sänger von den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Lukas Beikircher. In den lyrischen Szenen kostet er den Farbenreichtum der Partitur schön aus, lässt das Orchester in den tragischen Passagen aber mit schicksalsschwerem Pathos aufspielen. Trotzdem gibt es mit dem spielfreudigen und von Sabina López Miguez einstudierten Kinderchor am Rhein auch heitere Momente in dieser tragischen Oper.

 
 

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