Duisburg

Jubel, Pyros, Hup-Konzerte: Türken in Duisburg und Gelsenkirchen feiern Erdogans Triumph

Autokorsos und Lobesgesänge am Sonntagabend in Duisburg Alt-Hamborn.
Autokorsos und Lobesgesänge am Sonntagabend in Duisburg Alt-Hamborn.
Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services

Duisburg. Jubel nach dem vorläufigen Ergebnis des Türkei-Referendums in Duisburg: Lautstark feierten am Sonntagabend etwa 200 Erdogan-Anhänger in Alt-Hamborn das „Ja“, das Präsident Recep Tayyip Erdogan wohl deutlich mehr Macht in der Türkei verschaffen wird. Mit Fahnen und Autokorsos zogen sie gegen 19.30 Uhr durch die Stadt und sangen Jubellieder.

Wie die Polizei berichtet, zündeten sie auch Pyrotechnik. Mit etwa 40 Autos fuhren sie über die Duisburger Straße in Richtung Marxloh, kehrten dann um und trafen sich wieder vor dem Amtsgericht. Die Polizei begleitete die Ansammlung mit 18 Streifenwagen.

Zurückhaltung in Duisburg-Marxloh

Auf der Weseler Straße in Duisburg-Marxloh hingegen war im Moment des Erdogan-Triumphes nur wenig vom Frust der Gegner oder Jubelstimmung des "Ja"-Lagers zu spüren. Türkische Familien gingen spazieren, in den Cafés saßen die Männer zusammen. Hupend zog das eine oder andere Auto vorbei, kein Korso, keine aufgeregten Debatten. Im Gegenteil.

„Wir sagen dazu nichts“, meinte ein älterer Mann am Grillstand. „Erdogan wird bei den Deutschen eh viel zu schlecht dargestellt.“

Das Misstrauen gegenüber deutschen Journalisten wurde überall deutlich. „Erdogan hat die Türkei zu dem gemacht, was das Land heute ist“, meinte Ayshe Bal. „Heute ist das Kopftuch erlaubt, man kann wählen, was man möchte, das Land ist erfolgreich.“

Türken in Marxloh hätten sich deutlicheres Ergebnis gewünscht

Allerdings werde die Türkei in Deutschland mit zweierlei Maß gemessen. „Das geplante neue türkische System ist zum Beispiel vergleichbar mit dem US-amerikanischen. Und über die sagt niemand was“, kritisierte die 29-Jährige in einer Imbissbude. Ihre Mutter zeigte sich enttäuscht über das knappe Wahlergebnis. „Ich hatte mit einer deutlicheren Mehrheit gerechnet,“ sagt sie.

Ein Mitarbeiter der Bäckerei auf der anderen Straßenseite war da weniger deutlich. „In Marxloh haben die meisten für Erdogan gestimmt“, zeigte er sich überzeugt. "Aber wir äußern uns halt nicht dazu. Politik", sagt er.

Erdogan-Jubel auch in Gelsenkirchen

Seinen Namen wollte er ebenso wenig nennen wie ein älterer Türke aus Krefeld, der beim Fest vor der Moschee mit einem Freund zusammensaß. „Es ist gut, dass es so ausgegangen ist. Erdogan ist stark, er macht uns stark“, sagte er knapp.

In Gelsenkirchen hingegen feierten die Türken ebenso ausgelassen wie in Alt-Hamborn: Wie die WAZ berichtet, gingen dort ebenfalls viele Türken auf die Straße, um zu singen, Fahnen zu schwenken und Jubellieder zu singen.

(lin/dpa)

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