Josef Krings fesselt zum Theater-Jubiläum mit Kultur-Appell

Anne Horstmeier
Zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 100-Jährigen des Theaters gab es im September auch ein Feuerwerk.
Zum Auftakt der Feierlichkeiten zum 100-Jährigen des Theaters gab es im September auch ein Feuerwerk.
Foto: WAZFotoPool
Eigentlich war Altbürgermeister Josef Krings am Abend des Festaktes zum 100-Jährigen des Theaters nur auf die Bühne gekommen, um sich in das goldene Buch einzutragen. Doch der "Theaterbürgermeister" steckte mit seinem Enthusiasmus an. Er richtete einen flammenden Kultur-Appell an die Stadtspitze.

Duisburg. Farbig angestrahlt und mit Feuerschalen vor der mächtigen Säulenfassade wirkte das Theater am Abend des Festaktes zum 100-Jährigen Bestehen mehr denn je wie ein Musentempel. Doch Weihestimmung wie sie bei der Eröffnung am 7. November 1912 dem Zeitgeist entsprechend beschworen wurde, würde im 21. Jahrhundert befremdlich wirken und kam auch nicht auf.

Zumal nach einem Jahr des Bangens um den Fortbestand der Opernehe mit Düsseldorf und allen Folgen, die sich daraus für Duisburg ergeben hätten. Und es wird ja noch gerungen um die Finanzbasis bei einer Fortsetzung der Kooperation.

Stein gewordener Bürgerwille

Vor diesem Hintergrund hatte Oberbürgermeister Sören Link das Publikum auf seiner Seite, als er sagte: „Eine Stadt ohne Theater läuft Gefahr, ihre Seele zu verlieren.“ Der 36-Jährige blickte zurück auf seinen Vorgänger Karl Lehr, der das Theater bei der Eröffnung „als größtes und stolzestes Gebäude der Stadt“ bezeichnet hatte. Errichtet worden war es mit 1,5 Millionen Mark, die der Theaterbauverein gesammelt hatte. „Stein gewordener Bürgerwille“, so Moderator Holger Noltze, der angenehm durch den Abend führte.

Link sieht das Haus als „Ort der Bildung“. Es solle „kein Theater für Wenige sein“, sondern Akteur in der Stadt, „der junge Menschen an die Kunst heranführt“. Im Theater könne man Neues entdecken und Bekanntes in Frage stellen. „Auf die nächsten 100 Jahre ein herzliches und ehrliches Glückauf unserem Theater“, schloss der OB.

Von „einem Theater der Kooperationen“ sprach Hans Neuendorf, erst seit einem Monat im Amt als NRW-Kulturstaatssekretär. Duisburg könne „Modellstadt“ sein dafür, „Kultur auf sehr hohem Niveau für alle Menschen zugänglich zu machen.“

Das Publikum mitreißen

Schöne Worte. Aber wie man ein Publikum mitreißt, demonstrierte Alt-„Opernbürgermeister“ Josef Krings. Der Enthusiasmus des 86-Jährigen ist ansteckend. Eigentlich „nur“ auf die Bühne gekommen, um sich – mit allen Vorsitzenden der Fördervereine – ins Goldene Buch einzutragen, zauberte er erstmal ein paar Anekdoten aus dem Gedächtnis, bevor er Stadtspitze und Rat einen flammenden Appell auf den Weg gab: „Eine Stadt bauen mit Kultur: Das ist Stadtpolitik.“

Da passte die Szene, in der das Maskentheater „Familie Flöz“ vier alte, höchst vitale Männer auf die Bühne brachte genauso wie der bewegende Film von Kai Gottlob, in dem er mit Zeitzeugen und historischen Bildern die Geschichte des Hauses nachzeichnet. Musikalisch knüpfte die „Festwiese“ aus Wagners „Meistersingern“ an die Eröffnung an.