Duisburg

Jedes dritte Kind in Duisburg lebt von Hartz IV - diese Alleinerziehende hat eine klare Botschaft

Nicole Elshoff (46) im Duisburger Verein „Immersatt“. Sie findet: „Kinderarmut ist kein Duisburger Problem.“
Nicole Elshoff (46) im Duisburger Verein „Immersatt“. Sie findet: „Kinderarmut ist kein Duisburger Problem.“
Foto: Madeline Jäger
  • Nicole Elshoff (46) kümmert sich um Kinder aus Hartz-IV-Familien
  • Sie weiß: „Viele Eltern könnten arbeiten“
  • „Kinderarmut ist kein Duisburger Problem“

Duisburg. Nicole Elshoff weiß, wie schwierig es sein kann: Die 46-jährige alleinerziehende Mutter von zwei Kindern musste oft mit wenig Geld auskommen.

Die gelernte Hotelkauffrau verdiente zeitweise 998 Euro im Monat. Hilfe vom Staat kam für sie aber nie in Frage: „Ich wollte nie danke sagen müssen, nicht zu einem Mann und nicht zum Staat.“

Oft kam sie früher mit ihrem Lohn selbst nicht weit über den Hartz-IV-Satz hinaus. Heute kümmert sich Nicole Elshoff mit ihrem Verein „Immersatt“ um die Kinder von Duisburger Hartz-IV-Beziehern. Der Verein bietet eine Ganztagsbetreuung: Eine warme Mahlzeit, Hausaufgabenbetreuung, Workshops.

„Die meisten der Eltern sind Langzeitarbeitslose“

„99 Prozent der Kinder, die zu uns kommen, haben Eltern, die entweder aufstocken oder komplett von Hartz IV leben“, sagt Elshoff. Die meisten seien Langzeitarbeitslose. Fast jedes dritte Kind in Duisburg hat Eltern, die von Hartz IV leben.

Verstehen könne sie die lange Arbeitslosigkeit mancher Eltern, mit denen sie zu tun hat, nicht in jedem Fall. „Viele sind jung, kräftig und gesund, die könnten arbeiten gehen. Doch viele Eltern wollen nicht arbeiten und kommen nicht aus dieser Schleife heraus“, betont Elshoff.

Umso wichtiger sei es, sich um die Kinder zu kümmern, die ins „Immersatt“ kommen: Die seien die Zukunft der Stadt und sie sollen die Hartz-IV-Schleife durchbrechen.

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„Immersatt“- für viele Kinder ein Familienersatz

„Unter den Kindern, die in unserer Hausaufgaben-Betreuung sind, gibt es viele gute Schüler, sie gehen nach der vierten Klasse aufs Gymnasium“, erzählt Elshoff stolz.

Das „Immersatt“-Team ist für viele Kinder auch so etwas wie eine zweite Familie. Die Kinder erzählen den Mitarbeitern, was in der Schule los war oder wenn es zu Hause mal Streit gab. „Wir haben Fälle, da holen Eltern ihre Kinder mittags ab, bringen sie zum Zahnarzt, und bringen sie danach wieder zu uns zurück“, so Elshoff.

Kinderarmut? Kein Duisburger Problem

Nicole Elshoff ist eine waschechte Duisburgerin, sie kennt die Stadt genau und hat nie in einer anderen gewohnt. Die 46-Jährige stört, dass Brennnpunkt-Stadtteile häufig nur mit Duisburg in Verbindung gebracht werden. Was sie täglich erlebe, gebe es schließlich überall. „Egal wo dieser Verein aufmachen würde, ob Hamburg, Frankfurt oder Düsseldorf, die Kinder würden kommen.“

 
 

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