Ist doch alles nur ein Spiel

Foto: FLORIAN_MERDES

Regisseur Dietrich Hilsdorf läuft sich an der Deutschen Oper am Rhein langsam warm für seinen „Ring des Nibelungen“, den er in der nächsten Saison beginnt. In dieser Spielzeit bringt er in Düsseldorf noch „Die lustigen Weiber von Windsor“ heraus, im vergangenen Jahr bereits „Ariadne auf Naxos“. Die Inszenierung der Oper von Richard Strauss wurde bei ihrer Duisburger Premiere einhellig gefeiert.

Der Regisseur hat es bei „Ariadne auf Naxos“ nicht leicht: Wie verbindet er das Vorspiel, in dem Sopran und Tenor als eitle Egomanen gezeigt werden, mit der Oper, in der beide als Ariadne und Bacchus langsam zueinander finden? Zudem gibt es noch die Komödianten um die leichtlebige Zerbinetta, die mit kleinen Einlagen „stören“.

Hilsdorf löst alle Probleme mit der leichten Hand des erfahrenen Theatermachers, er lässt Theater auf dem Theater spielen. Bühnenbildner Dieter Richter hat eine originelle Lösung gefunden: Das Orchester ist auf der Bühne hinter einem Vorhang platziert, der Böcklins „Toteninsel“ zeigt. Auf dem überbauten Orchestergraben spielen die Sänger. Der Haushofmeister, den Peter-Nikolaus Kante mit lässiger Bösartigkeit spielt, steht im Parkett unter den Zuschauern und gibt Regie-Anweisungen. Das bringt das Geschehen hautnah an die Zuschauer heran, aber wer in den Rängen nicht in der ersten Reihe sitzt, hat nur eine eingeschränkte Sicht auf die Handlung.

Hilsdorf gelingt das Kunststück, trotz des Pathos der mythologischen Figuren immer wieder deutlich zu machen, dass diese „Ariadne auf Naxos“ nur ein Spiel ist. So sieht man der Ariadne von Karine Babajanyan an, dass sie bei den Einlagen der Komödianten mehrfach aus der Ariadne-Rolle fällt.

Mit dieser Aufführung zeigt die Rheinoper erneut, wie stark ihr sängerisches Potenzial ist: Im Vorspiel singen Stefan Heidemann und Florian Simson den Musiklehrer und den Tanzmeister als sehr textverständliche Anführer im Wettstreit der Künste. Heidemann glänzt mit groß strömendem Bariton und Simson mit grellem Charaktertenor. Einen Komponisten voll schwärmerischem Überschwang singt Katarzyna Kuncio.

Sopranistin Karine Babajanyan gelingt als Ariadne eine enge Verschmelzung mit der Figur: Die Szenen, in denen sie ihre Einsamkeit besingt, berühren durch das schlichte Spiel und den intensiven Gesang. Corby Welch imponiert als Bacchus mit seiner großen und farbenreichen Stimme, die schier unermüdliche Kraft besitzt. Heidi Elisabeth Meier schwingt sich mit Leichtigkeit durch die Koloraturen der Zerbinetta und klingt selbst in den höchsten Höhen noch wie ein lyrischer Sopran.

Die Duisburger Philharmoniker klingen durch ihre Positionierung etwas gedämpft, die richtige Balance zwischen Orchester und Sängern gelingt Wen-Pin Chien erst an den Stellen, in denen das Orchester in den großen Strauss-Bögen schwelgen kann. Dann leuchtet der Klang.

 
 

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