Integration als Daueraufgabe

Henrik Veldhoen
Altoberbürgermeister Josef Krings (re.) und Albert Henz von der Evangelischen Kirche Westfalen am Podium Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool
Altoberbürgermeister Josef Krings (re.) und Albert Henz von der Evangelischen Kirche Westfalen am Podium Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Die interkulturelle Woche ist eröffnet. In der Marxloher Kreuzeskirche begann die bundesweite Veranstaltungsreihe mit einem Gottesdienst und einer Diskussion zum Thema Integration.

Prominente Gesprächsteilnehmer wie Alt-Oberbürgermeister Josef Krings diskutierten Erfolge und Mängel der Integration in Deutschland. Der Gospelchor der evangelischen Kirchengemeinde Köln-Neue Stadt begleitete die Eröffnungsveranstaltung der drei nordrhein-westfälischen Landeskirche.

„Integration ist eine Daueraufgabe“, sagte Krings im Podiumsgespräch. „Wichtig ist vor allem, dass wir Geduld haben.“ Zentrale Herausforderung für eine gelungene Integration sei gleichberechtigte Bildung vom Kindesalter an. Damit schnitt Krings das Thema der diesjährigen interkulturellen Woche an: Bildungsgerechtigkeit, auch für Kinder aus Zuwanderungsfamilien.

Dabei sei die Situation an Schulen für Lehrer oftmals nicht einfach: „Wie Sokrates durch Athen wanderte, das habe ich behalten“, sagte der ehemalige Lehrer und Schulleiter Josef Krings. „Aber auf Integrationsarbeit in der Schule wurden wir in der Lehrerausbildung nicht vorbereitet.“

Zuversichtlich äußerte sich Albert Henz, Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, der auch die Predigt hielt. „Integration ist ein langer Prozess mit heftigen Störmanövern von beiden Seiten“, sagte Henz, der auch Beispiele aus seinem Leben anführte. So habe er in der jüngeren Vergangenheit häufig mitbekommen, wie positiv Deutsche und Zuwanderer übereinander sprächen. „Das war vor zehn Jahren so nicht immer denkbar.“

Über konkrete und praktische Ansätze der Integrationsarbeit in Unternehmen referierte Annegret Finke vom Betriebsrat von Thyssen-Krupp Steel. Das Verhältnis zwischen deutschen und ausländischen Mitarbeitern sei immer sehr sachlich und fachlich gewesen. Nach dem elften September habe sie jedoch eine veränderte Stimmung bemerkt. Mit sogenannten Kulturmittlern arbeite das Unternehmen erfolgreich gegen etwaige Spannungen oder Vorurteile an: „Wir haben auf Gemeinsamkeiten geschaut, mit denen man beide Seiten ins Gespräch bringen kann“, erzählte Finke. Dies habe anfangs vor allem bei Themen wie Urlaubsplanung und Tarifverhandlungen funktioniert.

Als immer bedeutenderes Problem sahen die Gesprächsteilnehmer vor allem den Zuwanderungsstrom von Rumänen und Bulgaren sowie eine teils mangelhafte Regelung des Bleiberechts. Zudem stellte Anton Rütten vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales Teile des neuen Integrations- und Teilhabegesetzes vor. Darin verpflichte sich das Land unter anderem dazu, Integration als Querschnittspolitik zu betreiben.

Trotz der spannenden Diskussionen hielt sich der Andrang in Grenzen. Die Evangelische Kirche im Rheinland hatte die lokalen Organisatoren der interkulturellen Woche sehr kurzfristig über die Veranstaltung informiert. Nur rund 40 Teilnehmer waren in die Kirche gekommen.