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Industrie am Niederrhein muss 100 Millionen mehr abführen

Industrie am Niederrhein muss 100 Millionen mehr abführen

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Foto: www.blossey.eu
100 Millionen Euro: Soviel müssen die großen stromverbrauchenden Unternehmen in Duisburg und am Niederrhein in 2014 zusätzlich an den Staat abführen, um die neueste Anhebung der so genannten „EEG-Umlage“ zu bezahlen. In Duisburg kommen 10 Unternehmen in den Genuss einer Härtefall-Regelung.

Duisburg. 

100 Millionen Euro: Soviel müssen die großen stromverbrauchenden Unternehmen in Duisburg und am Niederrhein im kommenden Jahr 2014 zusätzlich an den Staat abführen, um die angekündigte neueste Anhebung der so genannten „EEG-Umlage“ (Öko-Stromförderung) von einem Cent auf 6,2 Cent pro Kilowattstunde zu bezahlen. Vom Mittelstand und Haushaltskunden ist hier noch nicht die Rede. Diese Zahlen legte jetzt Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Duisburg, auf Anfrage der NRZ vor.

Von der kommenden Bundesregierung forderte Dietzfelbinger eine „Neujustierung“ der Ökostromförderung: „Das Ziel des Erneuerbare-Energien-Gesetz – nämlich der Anschub für regenerative Energien – ist ja längst erreicht.“ Aber die Abgabenlast durch dieses Gesetz bringe die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und die der Wirtschaft am Niederrhein nun „massiv in Gefahr“.

Die Intervention von Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger („Bangen um den Stahlstandort!“) bezeichnete der IHK-Hauptgeschäftsführer als einen „Hilferuf“ an die neue Bundesregierung, den es in dieser Deutlichkeit bislang noch nicht gegeben habe. „Ohne die in dem Gesetz vorgesehene Härtefall-Regelung wäre manche Produktion nicht mehr wirtschaftlich“, mahnt Dietzfelbinger. Die erneute Anhebung der EEG-Umlage belaste die Region Duisburg-Niederrhein besonders; fielen hier doch 27% des Stromverbrauches von NRW und 10% des bundesdeutschen Stromverbrauches an.

In Duisburg kommen derzeit zehn große Unternehmen in den Genuss einer Härtefallregelung (siehe Tabelle). Unter ihnen die Duisburger Verkehrsbetriebe, die ihre Schienenbahnen komplett über Strom betreiben, müssten nach Mitteilung eines Unternehmenssprechers ohne diese Regelung 1,3 Millionen Euro pro Jahr mehr abführen. Zusätzliche Kosten der DVG, die der Konzern Stadt tragen müsste. So seien es aber immerhin auch noch 221.000 Euro EEG-Abgabe.

IHK – Strom in den USA ist um 50% billiger als in Deutschland

Das Chemie-Unternehmen Sachtleben, großer Weiß-Pigmente-Hersteller in Homberg, indes verfügt über ein eigenes Braunkohle-Kraftwerk, das über Kraft-Wärme-Koppelung 70% Eigenstrom in die energieintensive Produktion speist. „Abgabenfrei, zum Glück“, sagt Unternehmenssprecher Axel Markens: „Aber 37% der Kosten für den immer noch notwendigen Zukauf von Strom gehen dann als EEG-Umlage weg.“ Steigende Kosten, mit denen die Wettbewerber auf dem Weltmarkt nichts zu tun hätten. Strom in den USA, so sagt IHK-Mann Dietzfelbinger, sei mittlerweile 50 % billiger als in Deutschland.