In städtischen Kitas droht ein heißer Herbst

Martin Ahlers
Auch die gewerkschaftlich organisierten Duisburger Erzieherinnen haben das Schlichtungsergebnis mit Mehrheit abgelehnt. Ab Mitte September könnte erneut gestreikt werden.
Auch die gewerkschaftlich organisierten Duisburger Erzieherinnen haben das Schlichtungsergebnis mit Mehrheit abgelehnt. Ab Mitte September könnte erneut gestreikt werden.
Foto: Funke Foto Services
Laut Gewerkschaft Verdi haben auch die Duisburger Erzieherinnen das Schlichtungsergebnis im Arbeitskampf abgelehnt. Eltern der städtischen Einrichtungen müssen bald mit erneuten Streiks rechnen.

Duisburg. Den Duisburger Kindergartenkindern und ihren Eltern droht ein heißer Herbst. Nachdem rund 70 Prozent der Verdi-Mitglieder das Ergebnis der Schlichtung im Tarifstreit abgelehnt haben, stehen in den 78 städtischen Kindertageseinrichtungen wohl ab Mitte September weitere Streiks an.

„Es wird kreative und phantasievolle Aktionen geben“, sagt Thomas Keuer, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Duisburg/Niederrhein, „allerdings werden davon auch die Eltern und Kinder betroffen sein.“

Jugendamt lobt Kommunikation

Wie viele Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst im Bezirk Niederrhein das Schlichtungsergebnis ablehnten, veröffentlicht Verdi nicht. Das regionale Ergebnis „passt aber sehr gut ins Gesamtbild“, so Keuer. Der Organisationsgrad liegt bei rund 90 Prozent.

Am vergangenen Samstag sprach deshalb die regionale Streik-Delegiertenkonferenz die Empfehlung aus, das Schlichtungsergebnis abzulehnen und den Arbeitskampf fortzusetzen. „Die Arbeitgeber sollten diese Kritik der Beschäftigten am Ergebnis annehmen. Viele fühlen sich über den Tisch gezogen“, beschreibt Keuer die Stimmung. Heute tagt die Bundestarifkommission der Gewerkschaft, am Donnerstag wird erneut verhandelt. Hoffnung auf ein besseres Ergebnis besteht dabei kaum. „Wohl im Herbst“, vermutet der Verdi-Geschäftsführer, werde der bundesweite Arbeitskampf fortgesetzt. Am 14. September enden auch in Bayern die Sommerferien.

Berufstätige Eltern müssen dann wieder auf einen Notgruppenplatz hoffen. Nach bereits 19 Streiktagen im März und April wird bei vielen der Spielraum für Urlaub enger. Bis zu 1200 Notgruppen-Plätze konnte die Stadt da zur Verfügung stellen. „Das ist gut gelaufen“, meint Holger Pethke. Der Jugendamtsleiter lobt die „vernünftige Kommunikation“ mit den Gewerkschaften, die drei Tage vor dem Ausstand ein „deutliches Signal“ gaben.

„Erneute Streiks könnten zu einer stärkeren Konfrontation zwischen Eltern und Erzieherinnen führen“, glaubt Regina Menning. In ihrer Facebook-Gruppe „Mütter in Duisburg“ hatten Betroffene zuletzt neben Kritik auch Verständnis für den Streik geäußert. „Besonders trifft es Alleinerziehende“, sagt Menning, „die haben am allerwenigsten einen Plan B.“