In einer Duisburger Gemeinde haben bald Laien das Sagen

Auf dem Foto sind alle Mitglieder des Vorstandes mit den verschiedenen Mitarbeiterbereichen von St. Barbara zusehen.
Auf dem Foto sind alle Mitglieder des Vorstandes mit den verschiedenen Mitarbeiterbereichen von St. Barbara zusehen.
Foto: Udo Milbret / FUNKE Foto Services
Die katholische Kirche schrumpft in Deutschland. In der Gemeinde St. Barbara in Röttgersbach haben ab 2016 die Laien das Sagen - ein Novum im Bistum.

Duisburg.. Die katholische Kirche schrumpft in Duisburg, in Deutschland und in vielen europäischen Ländern. Weniger Gläubige, weniger Geld, weniger Priester. Doch wie damit umgehen? Wie sieht die katholische Gemeinde der Zukunft aus? Vielleicht, nein sogar wahrscheinlich, wie die Gemeinde St. Barbara in Röttgersbach. Denn dort haben ab 2016 die Laien das Sagen. Einen festen Seelsorger vor Ort wird es nicht mehr geben. Die Röttgersbacher managen ihr reges Gemeindeleben selbst. Ohne Geld aus Essen. Ein Novum im Bistum und wahrscheinlich bald eine Blaupause für viele andere Gemeinden in der Republik.

Der Segen vom Ruhrbischof

Ganz offiziell hat Ruhrbischof Franz Overbeck seinen Segen gegeben: St. Barbara wird zu einem Pilotprojekt, angelegt auf die Dauer von drei Jahren. Bei den Kirchenoberen scheint sich die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass der Gemeinde-Fusionswahn der vergangenen Jahre irgendwann einmal an seine Grenzen stößt.

Doch der Weg zu dieser Erkenntnis war ein dorniger. Vor allem für die Katholiken in Röttgersbach. Ihre Gemeinde sollte abgewickelt werden. Am 22. Januar 2012 kam die Hiobsbotschaft und erzeugte Unglaube, Wut und Widerstandsgeist. Schließlich waren sie ja schon fusioniert worden zur Großpfarrei St. Nobert einige Jahre zuvor. Aber jetzt auch noch die Kirche vor Ort abschließen?

Geht gar nicht. „Hier leben heute noch Leute, die damals die Steine gekloppt haben, um ihre Kirche zu bauen“, versucht Angelika Hoffmann zu erklären, warum es gerade in St. Barbara damals richtig gerumst hat. Angelika Hoffmann ist die Vorsitzende des Fördervereins „Rettet St. Barbara“, der eine wichtige Rolle beim Pilotprojekt innehat. Kirchenschließungen gab es vorher, gab es später. Aber soviel lautstarken Protest gab es nicht. St. Barbara kam bundesweit in die Schlagzeilen. Und der Bischof erst einmal in Bedrängnis. Doch aus der Konfrontation entwickelte sich ein Dialog, erinnert sich Pastor Thomas Pulger, der die Röttgersbacher seit 2008 seelsorgerisch betreut. Die Gespräche trugen Früchte. Der Blick der Beteiligten schweifte über den Tellerrand und blieb hängen in Westfrankreich. Genauer im Bistum Poitiers. Dort hatte Mitte der 90er Jahre der Erzbischof entschieden, ganz neue Wege zu gehen, Basisgemeinden zu gründen. Ohne Pastor, in Eigenregie. Es wurde eine Erfolgsgeschichte, die sich nun in Röttgersbach wiederholen soll. Sie haben lange diskutiert im Duisburger Norden, wie sich das alles umsetzten lassen konkret, vor Ort.

Fünf Arbeitskreise haben sie gebildet

Der Vorteil in Röttgersbach. Die Gläubigen haben sich schon in der Vergangenheit stark in das Gemeindeleben eingebracht, vieles ehrenamtlich organisiert, Gruppen auf die Beine gestellt, sich sozial engagiert. „Wir sind hier im Norden ein bisschen ein Sonderfall“, glaubt Christian Brans-Schreckeneder, Pressesprecher des Fördervereins: „Die Kirche ist so etwas wie ein Mittelpunkt in Röttgersbach, nicht nur für Katholiken, sondern für alle im Stadtteil.“ Er selbst ist da ein gutes Beispiel, er ist Protestant. Aber für St. Barbara engagiert er sich trotzdem. Denn es geht in der Gemeinde zwar auch, aber nicht nur, um Glauben, sondern auch um soziales Engagement, Gemeinschaft im Stadtteil.

Fünf Arbeitskreise haben sie gebildet, mit jeweils eigenen Aufgabengebieten. Liturgie ist ein Gebiet, Diakonie ein anderes. Jeder kann und soll mitarbeiten, je nach Interesse und Vorliebe. „Wir haben hier 50 bis 60 Leute, die sich ehrenamtlich engagieren“, erzählt Angelika Hoffmann aus dem Gemeindealltag. Ob es sich um das Gestalten von Wortgottesdiensten, das Kaffeetrinken für Senioren, die Bedürftigen-Tafel oder was auch immer handelt. In Röttgersbach wollen sie alle mit anpacken.

Finanzierung über Beiträge, Vermietung und Spenden

Ganz praktisch wird in St. Barbara ein runder Tisch als Leitungsgremium gebildet. Daran sitzen die Sprecher der fünf Arbeitskreise, der fünfköpfige Vorstand des Fördervereins und ein Vertreter der neuen Großgemeinde St. Johann, in deren Sprengel St. Barbara liegt. Und die sollen entscheide, was geht und was nicht geht. Ein „Gastpastor“ soll die Sonntagsmessen lesen und die Sakramente spenden, den Rest erledigen die Laien.

Und wie finanziert sich das alles? Die Beiträge der Mitglieder aus dem Förderverein fließen in die Finanzierung, die Vermietung der Säle bringt Geld in die Kassen, Spenden und Sponsoren sorgen für den Rest. Rund 22.000 Euro im Jahr braucht die Gemeinde, etwa 10.000 Euro bringen die Mitgliedsbeiträge des Fördervereins, über Spenden kommen bisher etwa 5000 Euro zusammen, 3000 Euro für kostenlose Handwerkerstunden oder ähnliche Dienstleistungen sind kalkuliert. Und so reiht sich ein Euro an den anderen. „Wir kommen über die Runden. Nur Rücklagen können wir nicht bilden“, sind sich Christian Brans-Schreckeneder und Angelika Hoffmann sicher. Klar, wenn ein Sturm jetzt das ganze Kirchendach abdeckt, haben sie ein Problem. Aber der zähe Kampf um die Gemeinde hat sie gestählt in St. Barbara. Sie werden im Fall der Fälle eine Lösung finden.

 
 

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