Hundertfache Liebeserklärung

Ulla Saal

Kann man Duisburg lieben? Kann man, sollte man sogar, denn die Stadt ist besser als ihr Ruf und hat „Charme“, sagen Denis de Haas, David Huth und Tobias Appelt. Das Journalisten-Trio, das im Sommer 2013 in Duisburg-Rheinhausen das Redaktionsbüro Appelt & Huth gegründet hat, war im Februar dieses Jahres vom Wartberg Verlag gefragt worden, ob es sich vorstellen könnte, für die Buchreihe „einfach Spitze“ 100 Gründe zu finden, „stolz“ auf Duisburg zu sein.

„Können wir, machen wir“, kam nach kurzer Bedenkzeit, die einen Spaziergang lang mit Dackel dauerte, prompt die Antwort. Ausschlaggebend waren auch die eigenen Erfahrungen, dass die Ruhrgebietsstädte und Duisburg besonders immer noch mit einem schlechten Image zu kämpfen haben. „Als ich beschlossen habe, von München nach Duisburg zurückzugehen, bekam ich zu hören: Wenn du die Nase von dem Rauch und den Abgasen voll hast, kannste ja wieder nach München kommen“, schildert de Haas eine persönliche Begegnung mit den „Klischees“, die immer noch in den Köpfe kleben.

Nichts schönschreiben

„Auch auf Duisburg wird ständig draufgehauen“, sagt Appelt. „Wir wollten die hübschen, netten, positiven Seite dieser Stadt zeigen.“ Die 100 Gründe für den Stolz auf die Stadt zu finden, fiel dem Autorenteam nicht schwer. Und ja, natürlich sind auch die üblichen Highlights dabei: der Nordpark, die Sechs-Seen-Platte, Mercator, der Zoo, das Theater und was einem Duisburger da sonst noch so alles einfällt. Aber eben auch Schönes und Liebenswertes, das einem schon gar nicht mehr auffällt, weil es zum alltäglichen Anblick gehört.

„Wir wollten aber nicht nur die klassischen Sehenswürdigkeiten, und vor allem wollten wir nichts schönschreiben“, sagt Appelt. Deshalb werden auch pfiffige Ideen, wie die in Duisburg erfundene Schafsaktie, gelistet, aber auch umstrittene Projekte wie der Grüngürtel Nord, oder auch die Loveparade, die eher keinen Grund zum Stolzsein bietet. „Für uns ist sie aber nicht nur das düsterste Kapitel der Stadtgeschichte, sondern hat auch gezeigt, zu welcher Solidarität und welchem Mitgefühl die Duisburger fähig sind“, erklärt Huth, warum sich das Trio doch für die Aufnahme entschieden hat.

Der Punkt wird, wie einige andere auch, polarisieren, aber das ist so gewollt. „Diejenigen, die die Stadt nicht mögen, werden wir nicht umkrempeln. Aber vielleicht verändert der eine oder andere ein wenig seine Sichtweise“, meint de Haas. „Auf keinen Fall wollten wir missionieren“, betont Appelt. Dieses Buch sei auch keine Verteidigungsschrift, sondern eher eine „Liebeserklärung“.