Duisburg

Hundequäler-Prozess in Duisburg: Hat die Hauptzeugin die Vorwürfe aus Neid erfunden?

Die Angeklagten Frank H. und Stefanie B. sind gegen das aktuell verhängte Urteil in Berufung gegangen.
Die Angeklagten Frank H. und Stefanie B. sind gegen das aktuell verhängte Urteil in Berufung gegangen.
Foto: Madeline Jäger
  • Berufungsverfahren in Duisburg
  • Paar soll Hunde mit Elektroschockern am Hoden und Anti-Bell-Halsband gequält haben
  • Mehrere Zeugen sind sich einig: Hauptzeugin habe alles erfunden

Duisburg. Ein 52-jähriger und eine 32-jährige Duisburgerin wurden zunächst zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung von fünf Monaten und einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen verurteilt.

Der üble Vorwurf lautet: Das Paar soll seine Hunde über einen längeren Zeitraum mit Elektroschocks gequält haben, um sie gefügig und besser erziehbar zu machen. Das Paar geht derzeit vor dem Duisburger Landgericht in Berufung.

Mehrere Zeugenaussagen lassen Zweifel aufkommen

Die Angeklagten wirken an diesem Tag nervöser, beide sind komplett in schwarz gekleidet. Der Hauptangeklagte Frank H. trägt diesmal sogar ein schwarzes Hemd. Der zweite Verhandlungstag im Berufungsverfahren zeichnet ein völlig anderes Bild im mutmaßlichen Hundequäler-Fall als der erste:

Gleich mehrere Zeugen erklären der Richterin glaubwürdig, nie etwas von den Elektroschockern und dem Anti-Bell-Halsband gesehen oder mitbekommen zu haben.

„Ein gewisser Ton gehörte dazu, ein „Stopp“ und „Halt“ war auch mal lauter“

Zunächst macht ein 65-jähriger Rentner, der als freiwilliges Mitglied in einem Verein den Platz immer auf- und zugeschlossen hat seine Aussage vor Gericht: Er sei fast immer dabei gewesen und habe nie etwas von den fragwürdigen Trainingsmethoden mitbekommen.

„Ein gewisser Ton gehörte dazu, ein „Stopp“ und „Halt“ war auch mal lauter“, so der 65-Jährige. Dabei sei es aber geblieben.

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Schwägerin des Hauptangeklagten: „Wir hatten viele Neider“

Die Schwägerin des Angeklagten ist über die Vorwürfe sehr erbost: „Abgeschlachtet wie ein Schwein? Ein Hund würde dann, wenn dem wirklich so wäre, nie wieder freiwillig in den Anhänger steigen, wenn ihm da mal Leid zugefügt wurde“, so die Zeugin.

Besonders wenig nachvollziehen kann sie den Zeitpunkt der Anzeige, den die Hauptbelastungszeugin damals gewählt hat. „Ich frage mich heute noch, wenn ich das gesehen hätte, Elektroschocker am Hoden des Tieres, ich hätte doch sofort gehandelt und nicht erst zwei Jahre später! Geht´s noch?“ Als Motiv der Hauptzeugin sieht die Schwägerin Neid.

„Neid auf unsere sportlichen Erfolge, die Tiere meines Schwagers waren richtig gut. Viel besser als ihres“, so die Zeugin weiter.

„Ich muss nicht jeden mögen, sie war mir immer suspekt“

Die Nase hätte die Hauptbelastungszeugin immer so hoch getragen, deswegen habe sie nichts mit ihr zu tun haben wollen. „Ich muss nicht jeden mögen, sie war mir immer suspekt und wir hatten viele Neider“, so die Schwägerin.

„Wenn das Tierquälerei gewesen wäre, hätte der Schäferhund jawohl kaum der Deckrüde in der Zucht sein können“, bestätigte die Zeugin außerdem auf Nachfrage des Anwalts der Angeklagten Stefanie B. Schließlich könnten Elektroschocker am Hoden vermutlich zu Impotenz führen.

Hat die Hauptbelastungszeugin ihren eigenen Hund selbst gequält?

Die Hauptzeugin habe in Gesprächen immer nur von den eigenen Turnier-Erfolgen ihres Hundes geträumt, so die Schwägerin. Daher sei so viel Neid im Spiel gewesen.

„Außerdem habe ich von vielen gehört, dass sie selbst bei ihrem Hund ein Stachelhalsband und einen Zwang-Gurt benutzt hat“, so die Zeugin. Auf Nachfrage der Staatsanwältin kann sie keine Namen nennen.

„Das hab ich nur gehört, nicht gesehen, aber ich kann es mir vorstellen“, so die Schwägerin.

Mutmaßlich gequälte Hündin „Sky“ heute ein Blindenführhund

„Die angeblich gequälte Hündin „Sky“ wird heute als Blindenführer eingesetzt“, ergänzt die Schwägerin. „Die Prüfung hat sie mit Bravour gemeistert“, ergänzt die Angeklagte Stefanie B. daraufhin.

„Könnte das ein Hund, den man mit einem Anti-Bell-Halsband gequält hat?“, fragt die Schwägerin abschließend an die Richterin gewandt. Eine weitere Zeugin, die zum Tatzeitpunkt im Verein kommissarisch als Ausbildungswart tätig war, bestätigt die Darstellung der Schwägerin.

„Sowas hätte sich im Verein herumgesprochen. Wenn das so gewesen wäre, hätten wir die beiden von der Prüfung ausgeschlossen.“ Das Urteil in diesem Berufungsprozess soll am 7. Mai fallen.

 
 

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