Hochfeld: „Das Maß ist voll“

Dreckecken: Die Stadtteilinitiative beklagt die zunehmende Verwahrlosung wie hier an der Brückenstraße. Foto: Udo Milbret
Dreckecken: Die Stadtteilinitiative beklagt die zunehmende Verwahrlosung wie hier an der Brückenstraße. Foto: Udo Milbret
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Dramatische Verschlechterungen der Lebenssituation in ihrem Hochfelder Quartier beklagt die Initiative „Zukunftsstadtteil“ in einem offenen Brief an den Jugenddezernenten Karl Jansen.

Der Verein sorgt sich um das, was ihm den Namen gibt: die Zukunft des Stadtteils. An Jansen ist der Brief gerichtet, weil er zuständig ist für das drängendste aktuelle Problem, das der Vereinsvorsitzende Michael Willhardt sieht: Den Massenzuzug von Menschen aus Bulgarien.

Da schwingt nichts Ausgrenzendes, Feindliches mit in dem Brief: „Wir haben vollstes Verständnis dafür, dass Menschen, die unter erbärmlichen Bedingungen leben, nach einem besseren Leben suchen. Wir haben selbstverständlich als Mitglieder am Runden Tisch für Hochfeld den Aufruf unterschrieben, für die ankommenden Bulgaren und insbesondere für deren Kinder Lehrer zur Verfügung zu stellen und für deren Gesundheitsvorsorge einzutreten. Wir sind bereit, unser Scherflein dazu beizutragen“, schreibt der Verein.

"Wilde Müllkippen an allen Enden des Stadtteils"

Doch das Maß ist voll, übervoll, so der Verein weiter. „Schlechte Vermieter überbelegen Wohnraum in einer unzumutbaren Weise, Tagelöhnerei, Prostitution und Schwarzarbeit nehmen ein Ausmaß an, das im Verhältnis zur Einwohnerzahl des Stadtteils nicht mehr hinnehmbar ist. Wilde Müllkippen tauchen an allen Enden des Stadtteils auf, weit schneller, als wir protestieren können. Wir wehren uns dagegen, dass dort die meisten Problemgruppen aufschlagen, wo die Probleme ohnehin schon am größten sind“.

Seit Jahren engagiert sich der Verein in Hochfeld, will das schlechte Image kippen. Auch etwa mit dem Projekt „Hochfeld zeigt Flagge“. Willhardt: „Wir hatten stets die Hoffnung, Hochfeld zumindestens auf einem niedrigen Niveau stabil halten zu können. Diese Hoffnung kommt selbst unserer hart gesottenen Gruppierung abhanden.“

"Das ist nicht mehr zu tolerieren"

Der Verein nennt konkrete Probleme, etwa die Zerstörung der Pauluskirche. Seit fast zehn Jahren veranstaltet die Initiative dort Kulturveranstaltungen. In den zehn Jahren war die Kirche von Vandalismus und Zerstörung weitgehend verschont geblieben. „Das ist nicht mehr der Fall. Mittlerweile sind alle Fenster auf der Seite Paulusstraße eingeworfen“. Außerdem versinkt der Pauluskirchplatz im Unrat.

Mit dem Zuzug der bulgarischen Gruppen ändere sich das Umfeld in einer Weise, „gegen die auch unser umfassendes Engagement machtlos ist. Wir sind keine Missionare, die die Welt bekehren wollen, aber wir plädieren für geordnete Verhältnisse, und wir akzeptieren diese auf einem niedrigen Niveau. Was sich jedoch hier entwickelt, das ist nicht mehr zu tolerieren“, beklagt die Initiative.

 
 

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