Hinter grauen Gardinen

Zlatan Alihodzic
Foto: WAZ FotoPool

Viel ist nicht los an der Ecke Harmoniestraße/Weinhagenstraße in Ruhrort. Ein Leerstand, noch einer, auf der anderen Seite eine Kneipe, schließlich ein Ladenlokal mit geschlossenen Gardinen. Doch ausgerechnet hinter diesen grauen Vorhängen wird es bunt: Iris Weissschuh zieht hier mit ihrem Atelier ein. „Es ist ein Arbeitsraum, keine Galerie“, betont sie. „Deshalb ist auch nichts an den Fenstern.“ Besucher empfängt sie bald dennoch: Workshops für einen Kindergarten sind schon terminiert – und auch Erwachsene sind willkommen, wenn sie Bilder, Skulpturen oder Lyrik erschaffen wollen.

Erst im November kam die 50-Jährige aus Baden-Baden nach Duisburg, der Liebe wegen. Rund 200 Bilder zogen mit ihr den Rhein hinauf. Im Künstlerhaus am Weidenweg fand sie einen ersten Unterschlupf, doch Iris Weissschuh wollte ein Atelier nur für sich. „Tür zu, Jalousien runter, dann kann ich werkeln.“ Gerne auch bis 5 Uhr in der Früh. „Ich freue mich diebisch darauf, wieder den Pinsel in die Hand zu nehmen.“

Obwohl sie gerade erst in Ruhrort angekommen ist, hat sie schon Kontakte knüpfen können. „Muss ja“, sagt sie knapp. Ab Mitte Juli arbeitet sie mit den „Rheinpiraten“ zusammen. An sechs Tagen kommen die Kindergartenkinder aus der Nachbarschaft zu ihr. Gemeinsam ziehen sie dann durchs Viertel, hinunter an den Rhein, sammeln Inspiration und Materialien, doch das wichtigste Werkzeug ist die Fantasie. Es sei schwer, Betreuerinnen oder Lehrern zu erklären, dass es kein Thema gibt, wenn sie mit Kindern arbeitet. „Es gibt nur eine Regel: Die Kinder dürfen sich nicht verletzen“, erklärt Iris Weissschuh. Sonst ist alles möglich. Sie erinnert sich noch selbst an ihre Schulzeit, als eine Lehrerin ihr Bild von einem Baum der Klasse zeigte und forderte, das dieser gefälligst braun und grün sein solle. Ihr Baum war das nicht. „Danach wollte ich fünf Jahre keine Farben anfassen.“

Aus dieser Erfahrung hat sie gelernt. „Ich gebe den Kindern nur mit, welche Möglichkeiten sie mit den Werkzeugen haben. Wenn man zu viel Druck hat, dann geht nichts.“

Iris Weissschuh warf vor sechs Jahren eine Menge Druck ab, schmiss ihren Job als Sekretärin in einer Klinik, entschied sich für die Kunst und machte sich selbstständig. Für ein Atelier in Ruhrort entschied sie sich, weil sie am Wasser ein Gefühl von Freiheit verspürt. Das kann sie mitnehmen, wenn sie zurück zur Staffelei geht.