Hilfesystem betreut jährlich 1000 Duisburger Wohnungslose

Ehemals Obdachlose bekommen nach dezentralem Konzept Wohnungen gestellt.
Ehemals Obdachlose bekommen nach dezentralem Konzept Wohnungen gestellt.
Foto: Fabian Strauch / WAZ FotoPool
Statt Notunterkünften für obdachlose Menschen gibt es in Duisburg dezentrale Bleiben – das ist sogar günstiger als die früheren Obdächer. Seit zehn Jahren gibt es für das System eine zentrale Anlaufstelle, die im Notfall die wichtigsten Fragen innerhalb eines Tages klärt.

Duisburg.. Mitte der 1990er Jahre lebten 2200 Menschen in Duisburg in Notunterkünften, hausten teilweise zu sechst, Süchtige und Pflegefälle Bett an Bett, in einem Zimmer. Heute gibt es noch vier Plätze für Notfälle. Obdachlose oder von Wohnungsverlust bedrohte Menschen werden ansonsten so betreut, dass sie so normal wie möglich leben und wohnen können. Am Montag feierten die beteiligten Institutionen das Zehnjährige des Hilfesystems für Wohnungslose.

Darin haben sich Stadt, Diakoniewerk und Jobcenter sowie der Landschaftsverband als Kostenträger 1997 zusammen geschlossen, und (sozusagen das Geburtsdatum) am 5. Mai 2004 gemeinsam eine zentrale Anlaufstelle in der Beekstraße 45 geschaffen. „Das Konzept war damals einzigartig und ist es immer noch“, sagt Leiter Roland Meier.

In zehn Jahren wurden 10.000 Menschen beraten

Die alten Obdächer wurden abgeschafft, Betroffene beraten und betreut, um drohende Wohnungslosigkeit zu verhindern oder zu beenden. Geeignete Heimstätten besorgen sich die Berater auf dem freien Markt, die Erfahrungen auch mit privaten Mietern sind gut. Das erste Hilfepaket ist durch die Zusammenarbeit aller Institutionen oft schon am ersten Tag abgearbeitet. Norbert Maul, Leiter des Jobcenters: „Wenn alles schriftlich ginge, was wir hier untereinander klären, würden die Fälle Monate dauern.“

Im vergangenen Jahrzehnt wurden 10.000 Menschen beraten (stabil etwa 1000 im Jahr, ein Viertel ist jünger als 25). In 60 % der Fälle geht es darum, eine Wohnung zu sichern; 40 % der Ratsuchenden brauchen differenzierte Hilfen etwa bei Sucht- oder psychischen Problemen. 80 % sind Männer, 20 % Frauen, für die es eigene Wohnprojekte gibt.

Sozialdezernent Reinhold Spaniel ist stolz auf das Duisburger Modell: „Anfangs wurden wir ausgelacht. Es wird immer Obdachlosenunterkünfte geben, haben viele gesagt. Wir haben das Gegenteil bewiesen.“ Nebenbei: Das Modell sei bei besserer Versorgung der Menschen sogar günstiger als Obdachlose in Unterkünften nur zu verwalten, betont Spaniel. Und: Wer einmal in einer richtigen Wohnung lebt, behält sie meist. Meier: „Wir erleben in diesem System kaum erneute Auftritte von Klienten.“ Einer, der zehn Jahre auf der Platte gelebt hat, sagte mal zu ihm: „Ich hätte nie gedacht, dass ich noch mal ‘ne Wohnung habe . . .“

 
 

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