Herzhafter Rheinhausen-Spaß mit Streuseln

Willi pennt mal wieder: Vereinsvorsitzender Burkhard und Liedermacherin Charlie hieven zur Jahreshauptversammlung ihn auf den Stuhl.
Willi pennt mal wieder: Vereinsvorsitzender Burkhard und Liedermacherin Charlie hieven zur Jahreshauptversammlung ihn auf den Stuhl.
Foto: FUNKE Foto Services
Zum 40. Geburtstag schenkt sich das Kom’ma-Theater einen groß besetzten Schwank: Die Jahreshauptversammlung von „Rheinhausen ist überall 1988 e.V.“

Duisburg. Da hat einer aber richtig Mist gebaut. Das Publikum will die Premiere von „Der Heimat“ sehen. Stattdessen hält im Kom’ma-Theater der Verein „Rheinhausen ist überall 1988“ seine Jahreshauptversammlung ab. Der hat nur noch sieben Mitglieder, Neuwahlen stehen an. Gut, dass so viele gekommen sind. Alles potenzielle neue Mitglieder! Unerschrocken nimmt das Publikum an Biertischen Platz – und erlebt eine Jahreshauptversammlung, die sich gewaschen hat: Sie bringt engagierte Wahlkämpfer, erbitterte Streithähne und -hennen, einen bösen Verdacht und zarte Bande auf die Bühne.

Politische und menschliche Miseren

Zum 40. Geburtstag hat sich das Kom’ma-Theater einen Schwank geschenkt, in dem „Hausautor“ (und hier auch Regisseur) René Linke an den legendären Arbeitskampf erinnert und zugleich mit derbem Humor politische und menschliche Miseren anpackt.

Für das Neun-Personen-Stück hat sich das Kom’ma-Ensemble verstärkt. Vom Theater Kreuz & Quer sind Rainer Besel und Esther Krause-Paulus dabei. Besel ist als amtierender Vereinsvorsitzender ein intellektueller Phrasendrescher. Hat er in die Kasse gegriffen? Krause-Paulus wirbt als feministisch-spirituelle Kräuterfee um die weibliche Wählergunst. Sascha Bauer, der auch im Rheinhausen-Stück „Die versunkene Stadt“ dabei war, kehrt als linker Polit-Kämpfer und dritter Kandidat um den Vorsitz zurück; er schmettert dem Vorsitzenden das Joschka-Fischer-Zitat „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch“ entgegen. Renate Frisch spielt die Kulturbeauftragte Gerlinde, an deren harter Schale die Zuneigung der herben Liedermacherin Charlie (Steffi Lehmann) abprallt. Marlene Nelissen ist die Hausfrau Typ Muttchen, die mit Streuselkuchen rumgeht und damit auch das Herz der Kommissarin (Anja Klein) gewinnt. Außerdem versüßt Else den Abend mit Nietzsche-Zitaten und haut einige der (vielen) schönsten Sprüche raus. Wie den über Männer, die als Nachfolger für ihren verstorbenen Gatten Heinz nicht in Frage kommen: „Schade, dass der Begriff ,sterbliche Überreste’ nur für Tote gilt.“

Running Gag ist Willis (Manfred Lemmen) Narkolepsie. Immer wieder überfallen den Rentner Schlaf-Attacken. Der ehemalige Kruppianer ist enttäuscht von der SPD, verbittert über den verlorenen Arbeitskampf und trauert um seine Frau. Aufregen kann er sich über Liebe zwischen Frauen und die „Hottentotten“, die im Vereinsheim untergebracht worden sind. Willkommenskultur, das ist für ihn, wenn beim Betreten der Kneipe schon ein Pils und ein Kurzer auffem Tresen stehn. Und Heimat – das ist Leberwurst mit Gürkchen.

Und dann ist da noch Walter (Martin Müllerhöltgen), der korrekt-verklemmte Kassenwart, der immer noch in Vaters Schatten steht, obwohl der schon gar keinen Schatten mehr wirft. Sein Befreiungssatz ist „Scheiß’ auf die Satzung“ und ja, er stellt sich zur Wahl stellt. Das Publikum, nach der Pause zu „externen Beratern“ gewandelt, wählt Walter. Zwei spontane Austritte und einen Eintritt später, ist das Happy End für einen Abend perfekt, der zwar bodenständig, aber überhaupt nicht platt ist.

Termine und Kartenpreise

Das Stück steht erst wieder auf dem Spielplan des Kom’ma-Theaters an der Schwarzenberger Straße 147 am 12. November sowie am 9. und 10. Dezember, jeweils um 20 Uhr. Karten für die Abendveranstaltungen kosten im Vorverkauf 15, ermäßigt 8 Euro, an der Abendkasse 17, ermäßigt acht Euro.

 
 

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